Einträge mit dem Tag ‘Gesellschaft’

Der Umweltrat hat sich in seinem neuesten Gutachten unter anderem dafür ausgesprochen, den Fleischkonsum zu verringern. Als eine mögliche Maßnahme wurde dazu eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren nach dänischem Vorbild angeführt. Das Gutachten weist noch darauf hin, daß dies auch einen Anreiz zur Weidehaltung bieten könnte, weil Milch aus Weidehaltung einen geringeren Anteil an gesättigten Fettsäuren aufweise als solche aus Stallhaltung.

Da frage ich mich doch: könnte man nicht einfach die Vorschriften zur Viehhaltung verschärfen? Sozusagen Zwangs-Bio für tierische Produkte? Das erhöht ganz automatisch und ohne Steuern die Preise, und das zusätzliche Geld wäre in einer besseren Haltung sicherlich sinnvoller angelegt, als wenn es im Staatssäckel unterginge.

[via Tagesschau]

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Daß Fastfood gesund ist, will sicher niemand behaupten; mir persönlich schmeckt's auch gar nicht so besonders. Aber das hier ist dann doch etwas heftiger, als ich gedacht hätte.

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Heute habe ich zum ersten Mal von Improv Everywhere und mp3-Experimenten gehört. Die Idee hört sich nach Flash Mob 2.0 an: durch den Einsatz von mp3-Dateien lassen sich auch längere Aktionen (in diesem Falle 45 Minuten) noch gut koordinieren.

Zwei Punkte aus der Anweisung für Teilnehmer finde ich allerdings ziemlich abschreckend: man solle die als mp3 aufgezeichneten Anweisungen nicht vorher anhören, und auch keine Fotos machen. Auf diese Weise werde man mehr Spaß haben. Aber auch Nicht-Teilnehmer werden angesprochen: Presse-Kameras sind nicht erlaubt.

In meinen Augen bekommt die ganze Angelegenheit damit eine sehr unheimliche, Orwell'sche Dimension.

[via 40something]

Kein Kommentarenglish

Vor einigen Wochen habe ich auf dem Wühltisch eines örtlichen Buchhändlers den Roman 2367 -- Experiment Hex von Rhiannon Lassiter entdeckt; weil ich den Klappentext recht ansprechend fand, habe ich es kurzerhand erworben: um Menschen (die 'Hex'e aus dem Titel), die "über ihr Bewußtsein" in Datennetze eindringen, sollte es gehen; und um ein totalitäres Regime, das Angst vor den Hexen hat und sie verfolgt.
Leider hat die Autorin diese beiden Ansätze gründlich verspielt. Vom Regime erfahren wir nichts (außer daß Hexe von Staats wegen ermordet werden); das Eintauchen in die Datennetze ist -- wie in sehr vielen Cyberspace-Romanen -- in meinen Augen völlig unglaubwürdig dargestellt; und zu guter Letzt ist es für den Fortgang der Geschichte unerheblich, ob nun Hexe oder Brillenträger gejagt werden: übrig bleibt eine Klasse Menschen, die der Staat verfolgt, für Experimente mißbraucht, und tötet.
Kurz gesagt: die Geschichte an sich ist eher schwach. Dazu kommt leider noch, daß die Sprache oft ziemlich holperig ist. Ich weiß zwar nicht, ob man das der Autorin anlasten muß, oder ob es eher an der Übersetzung liegt (das Original ist in Englisch verfaßt); aber für den Leser der deutschen Ausgabe bleibt in jedem Falle ein unbefriedigender Eindruck zurück.

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Der Economist hat Anfang des Monats einen
Bericht über in Deutschland lebende Türken veröffentlicht. Ich denke nicht, daß der Artikel unerhörte neue Erkenntnisse enthält; aber er stellt die Problematik doch aus einem etwas anderen Blickwinkel dar, und das ist ein guter Grund, ausländische Zeitungen zu lesen.

[via Finja]

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Wenn man heutzutage einen Blick auf die Lohnabrechnung wirft, dann kann einen schon ein Schaudern überkommen: der Beitragssatz der Rentenversicherung ist inzwischen bei fast 20% angekommen — die Renten sind zum Ausgleich eher auf dem absteigenden Ast. Dazu kommen natürlich noch Zuschüsse aus Steuergeldern, die sich gewaschen haben — 2005 sollen es fast 80 Milliarden Euro gewesen sein. Irgendetwas stimmt da doch nicht.
Für mich war der Generationenvertrag der Quell allen Übels: wenn die Zahl der Rentner zunimmt (oder die der Arbeitslosen), dann steigen die Beiträge, dadurch wird Arbeit teurer, und die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Deshalb gibt es weniger Beitragszahler, und so weiter.

Gut, nach dem Krieg gab es zwar Renter, aber kein Kapital, aus dem man die Renten hätte zahlen können. Aber hätte man nicht damals gleich anfangen können, Vermögen aufzubauen? Die Beiträge wären dann anfangs etwas höher gewesen, aber die Situation sähe jetzt besser aus.
Wilfried Schreiber (den Namen habe ich zugegebenermaßen vor ein paar Tagen das erste Mal gehört) war da durchaus anderer Ansicht: Die Finanzierung der Rente aus angehäuftem Kapital sei nur für Einzelne möglich, nicht aber für eine ganze Volkswirtschaft. Das bezeichnet man auch als Mackenroth-These. Die Begründung ist denn auch sehr einleuchtend: Wenn ich im Alter einen großen Haufen Aktien (oder Geld) herumliegen habe, dann bringt mir das nicht viel — das kann man bekanntlich nicht essen. Erst dadurch, daß dann eine neue Generation arbeitet und (unter anderem) Nahrungsmittel produziert, bekommt mein Vermögen einen Wert; es stellt also sozusagen nur das Anrecht dar, von den dann Arbeitenden versorgt zu werden. Das aber kann man einfacher haben, wenn man auf die Sparerei verzichtet und stattdessen einen Generationenvertrag schließt.

Nichtsdestoweniger frage ich mich, ob man nicht kurzfristige Schwankungen (zum Beispiel durch hohe Arbeitslosigkeit) besser abfedern könnte, wenn zumindest ein Teil der Renten kapitalgedeckt wäre.

Auch sehr interessant sind übrigens die Punkte von Schreibers Rentenkonzept, die von der Politik nicht umgesetzt worden sind: eine Versicherungspflicht für alle, also auch Selbständige und Leute mit hohem Einkommen zum Beispiel; eine Frührente wollte er nicht zulassen.
Als Beitragssatz hatte er maximal 20 bis 22% vorgesehen — darin enthalten waren aber die Beiträge zur Solidargemeinschaft, also im wesentlichen die Krankenversicherung.

Als Rentenhöhe hat Schreiber 50% des letzten Bruttoeinkommens berechnet. Adenauer fand aber 70% schöner und entgegnete auf den Einwand Schreibers, man könne keine Rentenreform gegen die Mathematik machen, schließlich müsse er die Wahl gewinnen.

Ich glaube, diese Antwort ist auch heute noch ein allgemeiner politischer Leitsatz.

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Die Technik schreitet fort — und zwar auf allen Gebieten. Während der Familienbenutzer noch einzig zu dem Zwecke diente, benutzt zu werden, kann das Suspicious Looking Device schon mehr: verdächtig aussehen nämlich.

(via Stackenblochen)

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Vor fast einem Jahr schrieb ich:

Das Thema Grundeinkommen kocht immer wieder mal hoch.

Den Artikel dazu hatte ich bei Stackenblochen gefunden. Der ist inzwischen umgezogen; unabhängig davon kocht es wieder. Daß das Thema diesmal aus der konservativen Ecke kommt, überrascht mich allerdings.

Es wäre interessant, wenn das Thema mal breit (also auch in den Massenmedien) diskutiert würde.

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Heutzutage gibt es nicht mehr so viele öffentliche Uhren (also etwa auf dem Postamt oder am Bahnhof) wie noch vor, sagen wir mal, dreißig Jahren.
Das hat vermutlich damit zu tun, daß heute halbwegs genaue Armbanduhren für einen Spottpreis am Wühltisch zu erstehen sind und überdies jedes Schulkind mit einem Handy (mit Uhr) herumläuft. Öffentliche Uhren zu betreiben und zu warten kostet halt Geld, und der Nutzen ist relativ klein, weil der Besitz einer (tragbaren) Uhr nicht mehr mit sehr großen Kosten verbunden ist.

Bei Telepolis sieht man die Sache philosophischer. Ich finde den Artikel zwar ziemlich abwegig, aber trotzdem ganz nett zu lesen.

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In der Frankfurter Rundschau gibt es einen Artikel zu Siemens und BenQ. Auch bei Telepolis gibt es einen Text, der sich auf den der FR bezieht. Lesenswert sind sie beide, aber einen Punkt vermisse ich doch: Mögen die Manager auch etliche Dummheiten begangen und Entwicklungen verschlafen haben, das, was sie jetzt tun, ist durchaus nicht dumm und hat auch mit Unfähigkeit nichts zu tun.

Das Problem liegt nicht (nur) darin, daß sträfliche Dummheit … nicht vorgesehen ist (FR). Es liegt hauptsächlich darin, daß der Nutzen von Stellenstreichungen in einem Unternehmen, das nicht gut läuft, bei eben diesem Unternehmen bleibt; die Kosten, die dieselben Stellenstreichungen verursachen, müssen jedoch nicht vom Unternehmen getragen werden, sondern können — z.B. durch die ach so beliebten Auffanggesellschaften — auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.
Bruce Schneier predigt seit längerem bei jeder Gelegenheit (wenn auch in anderem Zusammenhang), daß solche externalisierten Kosten schädlich sind. So fehlt nämlich denjenigen, die die Entscheidungen treffen, die incentive der Anreiz, daraus eine vernünftige Entscheidung zu machen.

Aber was soll's, wirklich ändern will das ja niemand — jedenfalls niemand, der was dran ändern könnte. Und wer sich darüber aufregt, ist eh ein unverbesserlicher Kommunist oder — ganz schlimm — noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen und will dem Standort Deutschland Steine in den Weg legen.

Prost.

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