Einträge mit dem Tag ‘Gesellschaft’

Bei der Süddeutschen nimmt ein Ökonom die Ökonomie auseinander. Genauer gesagt geht es ihm um die naive Art, mit der viele Ökonomen (oder doch die, die im Lichte der Öffentlichkeit stehen) Voraussagen machen.
Ich finde es sehr nett zu lesen: abgesehen davon, daß der Artikel witzig geschrieben ist, werden da endlich mal einige Probleme angesprochen, die einem Naturwissenschaftler bei den Wirtschaftlern so auffallen.

Klar, in den Naturwissenschaften kann auch keiner zaubern, aber in der Regel weiß man wenigsten, wo man eine Näherung verwendet — und dann sagt man das auch, und man überlegt sich, wie die Näherung wohl das Ergebnis beeinflußt.

Einen Trost hat Andreas Hoffmann dann aber doch noch für uns: Es gibt durchaus auch Ökonomen, die wissen, was sie tun. Und die bekommen dann auch schonmal den Nobelpreis.

[via Finja]

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So ziemlich das letzte, was ich in einem Bioladen erwartet hätte kaufen zu können, sind Zigaretten. Gut, dieser Bioladen kam eher in Supermarktform daher, aber seltsam fand ich das allemal. Richtig Augen gemacht habe ich aber, als jemand vor mir in der Schlange sich von der Kassiererin die Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten erklären ließ: Es gibt tatsächlich Zigaretten aus biologischem Anbau.
Toll, dann muß man ja keine Angst vor Pflanzenschutzmittelrückständen im Qualm haben.

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Heute habe ich in der c't gelesen, daß auch die Schweizer sich mit der Frage beschäftigen, ob das Umgehen eines Kopierschutzes unter Strafe gestellt werden soll.
Was mir dabei nicht klar ist: warum will man denn unbedingt den Kopierschutz zum Maß aller Dinge machen? Könnte man nicht einfach das Vervielfältigen von — meinetwegen — Musik-CDs an sich unter Strafe stellen? Dann müßten die Hersteller sich nicht mit dem Programmieren eines Kopierschutzes herumärgern, und wir müßten uns nicht mit den negativen Folgen, die ein Kopierschutz auch auf den ganz normalen, kopierfreien Musikgenuß hat, herumärgern. Die Hersteller hätten ihr Ziel, die Kopie zu verbieten, aber trotzdem erreicht.

Außerdem gibt es da ja auch noch einen semantischen Punkt: Was bitte ist ein wirksamer Kopierschutz, wenn nicht einer, den man nicht umgehen kann? Wenn man einen solchen Kopierschutz aber nicht umgehen kann, dann ist es wohl überflüssig, sein Umgehen unter Strafe zu stellen.

Ich finde das alles sehr kompliziert.

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Selbst wenn die Stromversorgung mit Kernenergie oder alternativen Energiequellen aufrechterhalten werden kann, so wird ein Mangel von Erdöl große negative Auswirkungen auf praktisch alle Bereiche des Lebens für alle haben.
So steht's in der Wikipedia.

Der Durchschnittsbürger (also Autofahrer) ärgert sich über den derzeit kräftig steigenden Ölpreis, weil dadurch sein geliebter fahrbarer Untersatz teurer wird. Die Wirklichkeit sieht aber viel schlimmer aus.

Ölquellen

Sieht man sich die Fördermenge (pro Zeitintervall) einer einzelnen Ölquelle an, so hat diese einen typischen Verlauf: mit Erschließung der Quelle steigt die Menge zunächst von Null immer weiter an, bis dann ein Maximum erreicht wird. Solange die Quelle noch "voll" ist, bleibt die Fördermenge mehr oder weniger konstant. Irgendwann ist die Quelle erschöpft, und ihre Fördermenge fällt wieder ab. Die gesamte Fördermenge der Welt, aber auch eines Staates oder einer Region ist natürlich die Summe Fördermengen der einzelnen Quellen. Sie schwankt deswegen auch. Um diese Schwankungen zu berechnen, muß man den genauen Verlauf der Fördermengen einzelner Quellen kennen — könnte man meinen. Diese Berechnung entspricht aber formal einer Addition von Zufallsvariablen, und der zentrale Grenzwertsatz besagt, daß unter erstaunlich schwachen Annahmen bereits folgt, daß das Ergebnis eine Gauß-Glocke ist.
Demnach wird also die Weltölproduktion zunächst immer schneller ansteigen, um dann irgendwann doch konstant zu werden und schließlich wieder zu fallen — ebenfalls immer schneller. Den Scheitelpunkt dieser Kurve, also den Punkt maximaler Ölproduktion, bezeichnet man als Peak Oil. Der Amerikaner Marion King Hubbert hat die Kurvenform aufgrund empirischer Untersuchungen bestimmt und das Maximum der amerikanischen Ölproduktion vorhergesagt (es lag im Jahre 1971).
Inzwischen ist der Gipfel der Ölproduktion außerhalb von OPEC und ehemaliger Sowjetunion bereits überschritten. Der weltweite Fördergipfel soll — je nachdem, wen man fragt — zwischen 2010 und 2020, vielleicht sogar schon früher liegen.

Der Preis ist heiß

In der Vergangenheit war der Ölpreis annähernd konstant — keine Selbstverständlichkeit, wegen der steigenden Fördermengen hätte er sinken müssen. Daß dies nicht der Fall war, liegt an der ebenfalls permanent steigenden Nachfrage. Selbst, wenn sich die Nachfrage hierzulande stabilisieren sollte — bei einem auf Wachstum ausgelegten Wirtschaftssystem nicht sehr wahrscheinlich — braucht man nur an die enorme Bevölkerungszahl in den Schwellenländern China und Indien zu denken, um eine Vorstellung der Bedarfsentwicklung der nächsten Jahrzehnte zu bekommen. Ist der Fördergipfel einmal überschritten, kann der derzeitige Bedarf nicht mehr gedeckt werden, eine gestiegene Nachfrage ist also erst recht nicht zu befriedigen. In einer Marktwirtschaft steigt dann der Preis, bis die Nachfrage weit genug gesunken ist. Mit anderen Worten: der derzeitige Anstieg des Ölpreises ist letztlich als permanent zu betrachten, auch wenn der Preis kurzfristig (zum Beispiel durch einen milden Winter) noch wieder sinken könnte. Langfristig wird es aber noch kräftig nach oben gehen.

Interessante Zeiten

Dann wird nicht nur das Autofahren teuer: viele Produkte werden heute über weite Strecken transportiert, sie würden sich also stark verteuern. Darüberhinaus ist auch die Landwirtschaft auf Öl angewiesen, da sie zum einen stark technisiert ist, zum anderen Öl einen wichtigen Rohstoff für Kunstdünger darstellt. Wenn diese Produkte sich verteuern oder durch verstärkten Personaleinsatz ersetzt werden müssen, dann werden natürlich auch die Preise für Lebensmittel anziehen; dadurch werden wir letztlich auf andere, bislang selbstverständliche Güter verzichten müssen.

Eines ist klar: die Vorstellung von glücklichen Bauern, die in Handarbeit glückliche Kühe melken, glückliche Felder bestellen und abends lustig im Kreise der Großfamilie Geschichten erzählen, ist zwar im Sinne von zurück zur Natur ganz romantisch; die Wirklichkeit wird aber doch eher unromantisch sein.

Hoffentlich können wir uns dann noch das Bloggen leisten, sonst müssen wir auf Zines umsteigen.

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Hühnersuppe kann man heutzutage vollkommen ohne Hühner herstellen, und Erdbeerjoghurt mit Fruchtstücken, aber trotzdem ohne Erdbeeren.
Wer den MDR sieht, weiß das schon seit fast vier Jahren. Wer es noch nicht weiß, kann es gerne nachlesen, sollte aber möglichst keine Fertigprodukte bei der Lektüre verzehren. Idealerweise liegt auch der letzte Verzehr ebensolcher Produkte schon länger als zwei bis vier Stunden zurück.

Das Nuf hat auch gelesen und möchte jetzt wissen, woraus die schwarzen Punkte im Vanilleeis sind. Ich nicht.

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Achtzig Prozent der weltweit verfügbaren Literatur bezüglich Steuern seien auf Deutsch verfaßt, sagt man. Ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt oder eine urban legend ist — fest steht jedenfalls, daß das deutsche Steuersystem ganz schön kompliziert ist.

Wer in der glücklichen Lage ist, Wertpapiere sein eigen zu nennen, bekommt neuerdings von seiner Bank am Jahresende eine Jahresbescheinigung über Kapitalerträge und Veräußerungsgeschäfte aus Finanzanlagen.
Wenn man die durchblättert, kommt man wirklich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus: Eine Seite Anschreiben (mit richtig viel Text), eine Seite Hinweise (mit noch mehr Text), ein amtliches Hinweisblatt.
Dann (bei mir) drei Seiten mit Zahlen, die man dann in die diversen Anlagen zur Steuererklärung eintragen darf. Weil ich nicht zu den Leuten gehöre, die richtig was auf der hohen Kante haben, sind die Zahlen natürlich alle fürchterlich klein, so klein, daß ich sie gar nicht in die diversen Anlagen verteilen muß.
Was ein Glück.
Als letztes liegt dem Paket nämlich noch ein Merkblatt bei. Das Blatt hat 16 Seiten, und auch ein Hochschulabschluß ist nicht unbedingt ausreichend, um seinen Inhalt zu verstehen.

Muß das sein? Hat das irgendeinen Sinn? Jedenfalls abgesehen davon, einen Haufen Finanzfachleute in Lohn und Brot zu halten?

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Die Banken wundern sich, daß die Geldkarte von den Kunden nicht angenommen wird: letztes Jahr sind mit 64 Millionen Karten nur 38 Millionen Transaktionen getätgt worden. Niemand (auf Anbieterseite) scheint sich indes Gedanken darüber zu machen, daß die Karte für den Kunden fast keine Vorteile bringt; bei manchen Banken muß man sogar für die bloße Bereitstellung der Karte noch Gebühren zahlen.
Wer ernsthaft daran interessiert ist, die Geldkarte aus der Versenkung zu holen, wird wohl nicht darum herumkommen, das System neu zu durchdenken. Wenn dabei die Interessen der Anwender auch noch bedacht werden, dann funktioniert die Sache vielleicht sogar.

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Manchmal bleibt einem doch glatt die Spucke weg — manche Leute schaffen es wirklich hervorragend, sich die Wirklichkeit passend zurechtzubiegen. Es wäre allerdings nett, wenn man sie von Positionen fernhielte, an denen sie Schaden anrichten können.

(via creature)

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Ein Text bei Telepolis faßt noch einmal den Stand der Dinge im Karikaturenstreit zusammen und liefert auch gleich einige Beispiele dafür, daß die Meinungsfreiheit manchmal eben doch hinter religiösem Empfinden zurückstehen muß.

Außerdem gibt es da noch eine witzige Variante eines bekannten Sprichworts. Ich persönlich gösse aber, wenn schon Mühlen, dann auf die Wasser, nicht die Wässer.

E!igenartige Witze (oder sollte ich sagen: Kalauer?) gibt es außerdem hier und hier.

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Seit einiger Zeit fällt mir auf, daß es bei Jugendlichen im Alter von, sagen wir mal, Sechzehn bis Achtzehn (zumindest teilweise) üblich zu sein scheint, sich mit Handschlag zu begrüßen und zu verabschieden.
Zu meiner Zeit (ach herrje), also vor gut zehn Jahren, haben das höchstens die bravsten der braven gemacht.

Wie sich die Zeiten ändern...

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