Einträge mit dem Tag ‘Rezension’

Vor ein paar Monaten bin ich über die Fernsehserie Herr und Meister gestolpert: in dreiundzwanzig Folgen erzählen Hugh Laurie und Stephen Fry allerlei lustige Geschichten über den Dandy Wooster und seinen Diener Jeeves. Die Serie basiert auf einer Reihe Bücher, die P.G. Wodehouse zwischen 1919 und 1974 (!) geschrieben hat.
Der Herr, das ist Bertram Wooster: er (oder zumindest seine Familie, in der Regel repräsentiert durch zwei Tanten) ist reich genug, um niemals einem Broterwerb nachgehen zu müssen. Er ist auch faul genug, um keinem besonderen Steckenpferd zu frönen, kein Ehrenamt zu bekleiden, oder sonstwie seine Zeit zu verbringen. Kurz: er läßt den Tag einfach an sich vorüberziehen, wenn er nicht gerade einer familiären Verpflichtung nachkommt oder einem seiner Freunde aus der Klemme hilft.
Der Meister, das ist Jeeves: Woosters Diener ist hochgebildet, weiß alles, kann alles, und ist nicht aus der Ruhe zu bringen.

‘Is Lord Pershore in, Jeeves?’
‘No, sir.’
‘Do you expect him back to dinner?’
‘No, sir.’
‘Where is he?’
‘In prison, sir.’
‘In prison!’
‘Yes, sir.’
‘You don’t mean — in prison?’
‘Yes, sir.’

Wooster mag im Gegensatz dazu etwas simpel erscheinen, aber das stimmt nicht wirklich: eigentlich kann er es sich bloß leisten, nicht nachzudenken — dumm ist er keineswegs. Allerdings: wenn es darum geht, sich, seine Freunde oder Verwandten aus einer mißlichen Lage zu befreien — das wiederkehrende Motiv der Geschichten — dann verläßt Bertie sich besser auf Jeeves’ Geistesblitze als auf seine eigenen Ideen. Sei es eine ungeliebte Verlobung, die es zu lösen gilt (natürlich ohne daß der betreffende Herr diesen Schritt selbst unternimmt), zerbrochene Bande, die wiederhergestellt werden wollen, oder das Abwerben von Hauspersonal: Jeeves hat immer die passenden Kniffe parat.

‘Mr Bickersteth called to see you this evening, sir, while you were out.’
‘Oh?’ I said.
‘Twice, sir. He appeared a trifle agitated.’
‘What, pipped?’
‘He gave that impression, sir.’

Die Spannung beziehen die Geschichten dabei weniger aus der Handlung, sondern vielmehr aus den Gegensätzen der beiden Hauptakteure, die doch so gut zueinander passen: beide sind sehr britisch, in der Oberschicht zu Hause; doch während Jeeves ruhig, stets korrekt und mit distinguierter Sprache auftritt, ist Wooster begeisterungsfähig, fahrig und schnodderig: er pflegt eine sehr einfallsreiche, saloppe Jugendsprache, die Verwandtschaft und Gäste regelmäßig empört (wenn sie ihn denn verstehen), der man seine gesellschaftliche Stellung aber durchaus anhört. Das versteht der Autor so gut und humorvoll umzusetzen, daß mich schon die Sprache allein begeistert. Ich muß gestehen, daß die Handlung dabei für mich oft im Hintergrund bleibt, obwohl ich die Streifzüge durch die höhere Gesellschaft durchaus nicht uninteressant finde.

Carry On, Jeeves, das ich gerade beendet habe, ist für mich — sieht man von der Fernsehserie einmal ab — erst die zweite Begegnung mit Jeeves und Wooster, aber sicher nicht die letzte. Um Nachschub brauche ich mir zum Glück keine Sorgen zu machen: dafür sorgt schon die Eule, die immer wieder mit einem verzückten Gesichtsausdruck und einem neuen Band vor mir steht.

‘Jeeves,’ I said, ‘this is a time for deeds, not words. Pack — and that right speedily.’
‘I have packed, sir.’
‘Find out when there is a train for Cambridge.’
‘There is one in forty minutes, sir.’
‘Call a taxi.’
‘A taxi is at the door, sir.’
‘Good!’ I said. Then lead me to it.’

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Vor ein paar Tagen sind wir mit dem Buch Alles für den Kater von Eva Berberich fertig geworden. In diesem Falle heißt wir sind fertiggeworden, daß wir uns das Buch gegenseitig kapitelweise vorgelesen haben. Nun ja, in letzter Zeit habe ich hauptsächlich gelesen, und die Eule hat zugehört.

Für eine “richtige” Rezension fehlt mir, glaube ich, der Inhalt.
Trotzdem möchte ich ein paar Worte loswerden: das Buch enthält kleine Geschichten über das Zusammenleben mit einem Kater. Wer selbst eine Katze hat (oder hatte), dem wird vieles bekannt vorkommen. Zugegeben, die Katzen, die ich bisher kennengelernt habe, konnten alle nicht sprechen. Aber wenn sie es denn könnten, dann sprächen sie ganz ähnlich wie Mephistopheles (kurz: Stoffele), Hauptfigur des Buches: phantasievoll, sehr von sich eingenommen, aber doch irgendwie anhänglich.
Großen Tiefgang habe ich dort nicht entdeckt, aber die Geschichten sind schön geschrieben. Außerdem eignen sie sich aufgrund ihrer Länge — fünf bis zehn Seiten pro Kapitel, groß gedruckt — hervorragend zum Vorlesen.

Miau.

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Foundation nach fünfzehn Jahren noch einmal zu lesen, war ein seltsames Gefühl: das Buch ist natürlich dasselbe geblieben, der Rezipient aber nicht. Was mir am deutlichsten aufgefallen ist: die Welt der Foundation fühlt sich klein an. Von der Zivilisation, die eine ganze Galaxis besiedelt, von der gigantischen Hauptstadt Trantor, die einen ganzen Planeten umfaßt, wird zwar erzählt; aber ein Gefühl für die Größe fehlt mir.
Die Grundzüge der Handlung sind schnell erzählt: Hari Seldon hat die Psychologie zu einer exakten Wissenschaft gemacht, indem er Statistik auf menschliches Verhalten anwandte — ganz analog zur statistischen Mechanik, die das Verhalten von physikalischen Vielteilchensystemen beschreibt.
Dabei entdeckt Seldon, daß das galaktische Reich sich im Zerfall befindet.

And after the Fall will come inevitable barbarism, a period which, our psychohistory tells us, should, under ordinary circumstances, last for thirty thousand years. We cannot stop the Fall. We do not wish to; for Imperial culture has lost whatever virility and worth it once had. But we can shorten the period of Barbarism that must follow—down to a single thousand of years.

Um das barbarische Zeitalter, das dem Zerfall des Reiches folgt, zu verkürzen, gründet er unter einem Vorwand eine neue Zivilisation am Rande der alten; diese manipuliert er mit Hilfe seiner Theorie so, daß sie den Grundstein für den Aufstieg einer neuen Hochkultur legt.
Mit der Bewertung dieses klassischen Asimov-Titels tue ich mich recht schwer: das Thema halte ich für sehr gelungen, die Idee der Psychohistory ist gerade aus den Augen eines Naturwissenschaftlers betrachtet geradezu genial. Als das Werk Anfang der fünfziger Jahre erschienen ist, muß es visionär gewesen sein.
Aus heutiger Zeit scheinen allerdings die Fünfziger doch recht deutlich zwischen den Zeilen durch.

Auf einer Skala von eins bis fünf möchte ich es mit drei bis vier Sternen bewerten und entscheide mich letztlich dafür, es im Kontext seiner Zeit zu sehen und den letzten halben Stern noch aufzurunden. Für SF-Interessierte ist das Buch sicherlich Pflichtlektüre; wer mit dem Genre nicht soviel anfangen kann, findet hier solide hard SF, die dennoch für Mainstream-Leser zugänglich bleibt.

[lovelybooks]

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Amongst by books, there are several that have been waiting for quite some time to be read. There are one or two I have started, but did not make much progress with.

But Brian Greene’s Fabric of the Cosmos was among those I did not really look forward to in the first place. By now, I have finished it, and I have to admit there was no reason to hesitate all the time.

In his book, Greene tackles the question of what time and space really are — are they things, a something; or are they only a mathematical construct that enables us to talk about the relationship between things (whether they are subatomic particles whole galaxies)? This is not a philosopical treatise (for the most part), but quite down-to-earth physics. The author is very successful at relating this physics: the book is quite accessible to non-experts, without being shallow; physicists may be able to learn something new as well.

Starting with classical mechanics’ notion of space and time, Greene explains relativistic spacetime and proceeds to string and M-theory, teasing out along the way how physics treats the texture of reality. I was surprised to learn that for instance the origin of the arrow of time[1] is much more complex than I had thought: the second law of thermodynamics is not sufficient to explain it.

In looking at the different theories, the author is also delineating a history of physics  — much like Singh did for mathematics. This history, in turn, is very well suited to get an overview of physics.

[1] The question is: What is the difference between tomorrow and yesterday? Almost all physical laws are symmetric with respect to past and future, so that phenomena may take place forward as well as backwards. Nevertheless, we can easily tell whether any of a number of macroscopic phenomena is running in reverse: a glass may break, but shards to not spontaneously combine to form a glass; we remember the past, but not the future.

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Splendidly discursive sei David Crystals By Hook or By Crook, so wird der Independent auf dem Umschlag zitiert; und das trifft den Kern ziemlich gut: der Autor fährt im Auftrag der BBC durch England (und Wales), um über die verschiedenen regionalen Dialekte zu berichten. Der Leser erfährt darüber hinaus alles, was ihm bei der Fahrt einfällt — manchmal sind es die Herkunft von Orts- oder Kneipennamen; aber oft genug spinnt er eine Assoziationskette, die irgendwo enden kann: bei einer Fernsehserie oder auf einem anderen Kontinent zum Beispiel.
Diesen Erzählstil muß man natürlich mögen, wenn einen die Lektüre nicht in den Wahnsinn treiben soll. Andererseits kann man das Buch durchaus längere Zeit beiseite legen, denn einen Faden, den zu verlieren man fürchten müßte, gibt es ja nicht.
Mir hat das Buch ganz gut gefallen, aber irgendwann fing es doch an, sich etwas zu ziehen — zweihundert Seiten hätten es in meinen Augen auch getan. Das mag allerdings anders aussehen, wenn man einige Zeit in England verbracht und eine Beziehung zu den Orten hat, die Crystal in seiner Journey in Search of English besucht.

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Jetzt, da ich Neal Stephensons jüngstes Werk Anathem durchgelesen habe, wird es Zeit, eine Rezension zu schreiben. Ich muß zugeben, daß ich mich damit schwer tue, und viel besser als der Klapptisch-Eintrag wird sie wohl nicht werden. Gänzlich unmöglich scheint mir eine Diskussion, die zukünftigen Lesern die Spannung erhält: Anathem lebt davon, daß man die Welt bei der Lektüre entdeckt.

Der Autor hat dem Text eine Einführung vorangestellt, die auch einen kurzen historischen Abriß enthält; er ermutigt erfahrene Leser aber, diese zu überspringen:

If you are accustomed to reading works of speculative fiction and enjoy puzzling things out on your own, skip this Note.

Auf den folgenden gut neunhundert Seiten folgen wir dem Erzähler, Erasmas, auf seinen Wegen durch eine seltsame Welt: eine Welt, in der Wissenschaftler in Klöstern leben, in denen sie fast keinen Kontakt zur Außenwelt haben; in der viele bekannte Konzepte unter unbekannten Namen auftauchen; in der das weltliche Leben (sæculum) seltsam verflacht und ungebildet erscheint.

Außerdem folgen wir Erasmas auch auf seinen Streifzügen durch die Metaphysik. An dieser Stelle wird es dann etwas anstrengender: zum einen, weil ich mich nicht sehr gut mit Metaphysik auskenne, und die mit den Theorien verknüpften Namen in Erasmas’ Welt nicht mit den bei uns bekannten übereinstimmen; zum anderen, weil hier vieles zwischen den Zeilen gesagt wird, und man deshalb sehr genau lesen muß, um den Faden nicht zu verlieren.

(An dieser Stelle schiebe ich eine Spoilerwarnung ein — wer Anathem noch lesen möchte und dabei Wert darauf legt, Welt und Handlung zu entdecken, sollte jetzt nicht unbedingt weiterlesen.)

Man kann die Teile des Romans, die die Diskussion über Metaphysik beschreiben, natürlich als Technobabble sehen und einfach überlesen. Ob das, was dann von der Handlung noch übrigbleibt, die Lektüre noch wert ist, darf aber bezweifelt werden: eine halbwegs interessante Reise — sozusagen ein Roadmovie in Buchform — immer wieder unterbrochen von längeren Dialogen, und ein recht konfuses Ende lohnen die gut neunhundert Seiten wohl nicht.

Doch nun hinfort mit vagen Andeutungen und her mit einer Inhaltsangabe: Irgendwann in der Vergangenheit ist der Gesellschaft auf Arbre — so heißt der Planet — aufgefallen, daß schlimme Dinge passieren können, wenn schlaue Menschen zu viele Werkzeuge in der Hand haben: Neutronenbomben zum Beispiel. In der Folge haben sie ihrer geistigen Elite nach und nach fast alles weggenommen, und der moderne Avout lebt in einer klosterähnlichen Gemeinschaft (Math), in der er nur drei Dinge besitzt: Bolt (Kutte), Chord (Gürtelschnur) und Sphere (eine in der Größe veränderliche Kugel, die unter anderem als Sitzgelegenheit dient). Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit werden den Avout in der weltlichen Gesellschaft alle möglichen und unmöglichen Eigenschaften angedichtet; nehmen sie doch je nach Math nur einmal pro Jahr, Jahrzehnt, Jahrhundert oder gar Jahrtausend Kontakt mit der Außenwelt auf.

Die Geschichte beginnt kurz vor Apert, dem zehntägigen Öffnen der Außentür in Erasmas’ Math: es herrscht verständlicherweise einige Aufregung, und als der Tag gekommen ist, nimmt man die Gelegenheit wahr, sich die Welt extramuros anzusehen und Verwandtenbesuche zu machen. Nach Ablauf der zehn Tage findet man wieder in den gewohnten Gang der Dinge zurück.

Der ändert sich, als auf Befehl der Inquisition das Observatorium der Math ohne weitere Erklärung geschlossen wird. Solchermaßen herausgefordert, bemühen sich einige der Avout nach Kräften, den Grund der Geheimniskrämerei herauszufinden. Sie machen schließlich ein außerirdisches (oder außer-arbrisches) Raumschiff ausfindig, doch noch bevor sie dazu wesentlich mehr in Erfahrung bringen können, wird eine ganze Reihe von ihnen durch einen Ritus namens Voco aus der Math in die säkulare Welt gerufen. Dies geschieht üblicherweise, wenn die Regierung einen bestimmten Experten benötigt; doch in diesem Falle gibt es gar ein Convox, eine Art Konferenz, an der Avout aus der ganzen Welt teilnehmen. Auf diesem Convox soll in der Tat diskutiert werden, wie man mit der bislang noch unbekannten Raumschiffbesatzung, für die sich die Bezeichnung Geometer eingebürgert hat, umgehen soll.

Erasmas folgt einem Rat des geheimnisvollen Fraa Jad, einem Millenarian, und reist nicht direkt, sondern auf Umwegen zum Konferenzort. Auf dem Weg dorthin lernt er bereits einiges über Metaphysik (“Metatheorics“), das dann später noch vertieft wird. Insbesondere wird eine Erweiterung der Kantschen Ideenlehre präsentiert, derzufolge es nicht nur eine Welt der Ideen und eine der Gegenstände gibt, sondern ein komplexes Netz von Welten, von denen einige “idealer”, andere “gegenständlicher” sind, so daß die Gegenstände unserer Welt die Ideen einer anderen sein können.

Doch damit nicht genug: das menschliche Bewußtsein, so wird behauptet, hat die Gabe, Verbindung mit anderen Welten aufzunehmen; wenn wir uns eine fiktive Situation vorstellen — es könnte jetzt etwa an der Tür klingeln, und ich würde diesen Text beenden, um Besuch zu empfangen — dann beobachten wir eigentlich eine reale Situation in einer anderen Welt.

Schließlich wird noch von zwei sagenumwobenen Gruppierungen berichtet, deren Existenz jedoch höchst zweifelhaft ist: die Rhetoren können durch Manipulation von Aufzeichnungen die Vergangenheit beeinflussen; die Incanter besitzen eine besonders ausgeprägte Verbindung zu anderen Welten und nutzen diese, um die Gegenwart zu verändern.

Im letzten Teil des Buches stellt sich heraus, daß alle diese Überlegungen mit ziemlicher Sicherheit zutreffen: die Geometer sind in Wirklichkeit ein recht bunter Haufen, sie stammen aus vier verschiedenen Welten, die Arbre alle recht ähnlich, aber doch nicht gleich sind. Als eine kleine Gruppe, zu der auch Erasmas gehört, schließlich in eine Umlaufbahn geschossen wird, um das fremde Raumschiff zu erkunden, geht es wirklich drunter und drüber: während ihrer Mission haben die frischgebackenen Astronauten seltsame Träume und Gedächtnislücken. Sind hier etwa Incanter am Werk? Es sieht ganz so aus. An Bord des fremden Raumschiffs geht es noch einmal hoch her, doch nachdem sich das Knäuel der Weltlinien gelöst hat, wird ein Friedensvertrag unterzeichnet.

An dieser Stelle wäre die Geschichte zu Ende, doch eine Frage läßt unsere Helden nicht los: was ist mit Fraa Jad? Ist er wirklich schon gestorben, bevor es richtig losging? Haben wir ihn nicht eben noch… Offenbar sind auch die Rhetoren nicht faul gewesen, und man weiß nicht mehr so recht, wem man trauen darf.

Zu guter Letzt wagt Arbre einen Neuanfang und hebt die alte Trennung von Säkulum und Maths auf. Der Schritt scheint nicht unbedingt folgerichtig, doch ich denke, hier hülfe es, das Buch erneut zu lesen. Das ist auch das größte — das einzige — Problem, das ich mit  Anathem habe: es ist ein gutes Buch, aber auch schwer verdaulich. Um es wirklich zu verstehen, müßte ich es ein zweites Mal lesen. Und bevor ich das tue, müßte der Stapel der ungelesenen Bücher erst etwas schrumpfen.

Der Leser möge die Länge dieser Rezension entschuldigen — für eine kürzere fehlen mir leider die Fertigkeiten.

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Frankly, there is nothing borrowed I could write about, but I do have a new and an old book; or at least one I have just finished, and one I have started a few days ago. The former is Wee Free Men by Terry Pratchett. I have been a bit disappointed with Making Money, but the little blue men made up for that: this is Pratchett at his best. It is not quite as harshly criticising society as the later adult Discworld books are — but I would not expect that from a children’s book. The wee free men are simply loveable characters with their naïve, rash ways, and their Scottish dialect is great.
Apart from that, the book is just like Pratchett. It is a quick and funny read; and if I just said not as harshly criticizing, I do not mean there is no criticism. It is, however, not the main issue, and it is put forth in a somewhat gentler way.

The new book is by Neal Stephenson, one of my favourite authors. I believe I could rather do without Pratchett than without Stephenson: he does not write as many books, but they are much more diverse. Cryptonomicon, my first, is set both in World War II and in the near future (by now, that should probably read the present). It is — more or less — about cryptography. Its successor, The Baroque Cycle, shows how Science and modern finance came into being during the Age of Reason. Both books show Stephenson’s calm writing, which I am very fond of: he mostly dispenses with classic rising action/falling action and tells a story instead. Often, he includes details that only appeals to geeks: take the dependence of mathematical skills on sexual fulfillment (with equations and diagrams!); or the small day-to-day tasks that were in the seventeenth century quite different than in the twenty-first.

Stephenson’s latest book, Anathem, is not set on the Earth at all, but in a strange parallel world: scientist are living like monks and nuns (fraas and suurs) in convents (maths), their life ordered by a huge mechanical clock. Some of them interact with the sæcular world but once a decade, century or even millennium.

This story is being told in a very appropriate language that makes the monastic setting real. I have been enthused from the first page, but I have to admit that Anathem is hard to read because of that language (including quite a few terms invented by Stephenson). However, it promises to be worth it.

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Bei der Bewertung von Rudolf Kippenhahns Verschlüsselten Botschaften finde ich mich in einem Dilemma wieder; denn die größte Schwäche des Buchs ist gleichzeitig seine größte Stärke: der Autor verzichtet beinahe völlig auf Mathematik. Daher kann er moderne Schlüsselverfahren lediglich streifen. Wer hier einen Einblick gewinnen will, ist etwa mit Schneiers Applied Cryptography besser bedient.

Dem mathematischen Laien allerdings hat Kippenhahns Werk einiges zu bieten. Klassische Verfahren wie der Caesar-Chiffre werden recht ausführlich erklärt, und auch einige weniger bekannte Methoden wie etwa eine Transposition mittels einer drehbaren Schablone finden Erwähnung.
Einen recht breiten Raum nimmt die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ein, hier besonders die Enigma. Neben der legitimen Ver- und Entschlüsselung stellt der Autor auch die Schwächen der Verfahren und die daraus resultierenden Angriffspunkte vor.

Die theoretischen Abschnitte sind immer wieder unterbrochen von plastisch erzählten historischen Szenen; so bleibt die Lektüre auch dann abwechslungsreich, wenn die Theorie wegen mathematischer Vorkenntnisse einige Längen aufweist, oder aber mangels solcher Kenntnisse sehr trocken wird.

Zum Schluß werden auch moderne Verfahren kurz angerissen, und man erfährt etwa, wie Public-Key-Kryptographie prinzipiell funktioniert, oder die Geheimzahl einer Scheckkarte abgesichert wird.
Unter dem Strich ist das Buch eine gute Einführung in die Kryptologie; wer sich mit den Verfahren bereits etwas auskennt, der hat immerhin eine kurzweilige Lektüre, bei der er auch noch ein paar interessante historische Details lernen mag.

[Diese Rezension ist auch bei Lovelybooks verfügbar (derzeit leider nur für dort registrierte Mitglieder]

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In my experience, reviews have to be written shortly after finishing a book, or not at all. Otherwise, I lose the close relationship to the text. It is almost as if I have not, in fact, read it myself; but rather as if I had talked to someone who has read it.

It has been several weeks that I have finished Bromeliad, the Nome trilogy. Nevertheless, I will try and commit to paper the thoughts I encountered while reading it.

A space ship lands on a distant platen, but the crew are unable to leave: for good or evil, they have to prepare for a permanent stay. In reality, their survival would be quite unlikely; in fiction, many a civilisation has been founded in this way. Personally, I will always think of this theme as that of  Bradley’s Darkover series.

I digress, but the history of Pratchett’s Bromeliad is quite similar, but backwards: the extraterrestrial Nomes are stranded on Earth, and over the course of a few millennia, they devolve from a star-faring people to a pre-technological one. Knowing the author’s sense of humour, it is hardly surprising to see their only surviving artefact being passed on to a lonesome group of hillbillies that will die out presently. Communication with the indigenous populace (us) has failed, too, and the Nomes soon discover caricatures of themselves as, well, garden gnomes.

If everything ends well, they may thank Luck, but also a several people among their own who show courage and perseverance. In the meantime, the reader may enjoy Pratchett’s typical jokes and puns; and just as typically, the author holds a mirror up to our society — in fact, he does so twice: we may take a look at ourselves through the eyes of the Nomes, lurking beneath the floorboards and discussing whether humans are intelligent; and we have the Nomes themselves and their very human ways. It may be in the eye of the beholder, but I get the impression that Pratchett is especially poking fun at (Christian) religion and its rituals.

If you like Pratchett and would like to look beyond the Disc, I can recommend the trilogy; it may be a good starting point for those who do not yet know him, and who have been put off by the Discworld hype so far.

Kein Kommentardeutsch

Fermats Letzter Satz ist ein gutes Buch. Es fällt mir schwer, einen kritisierenswerten Punkt zu finden, und deshalb nehme ich einfach diesen: Der Titel ist irreführend. Nicht wirklich schlimm irreführend, aber die berühmte Fermat’sche Vermutung, daß nämlich die Gleichung an+bn=cn für n>2 keine positiven Lösungen habe, ist eher der Aufhänger als das Hauptthema des Buches.

Singh liefert hier einen Streifzug durch die Mathematik, der im klassischen Griechenland beginnt und bis in die Gegenwart reicht. Dabei hat er beileibe kein mathematisches Lehrbuch geschrieben, nicht einmal ein Mathematikbuch für Laien. Vielmehr zeigt er, wie Mathematiker denken und arbeiten, wie sich die Arbeitsweise im Laufe der Zeit geändert hat, und was sie antreibt.

Dabei nehmen Fermat und Wiles (der den Satz bewiesen hat) natürlich einen größeren Raum ein, doch Singh betrachtet auch noch eine Vielzahl weiterer Persönlichkeiten. Auf mathematische Details verzichtet er hingegen fast völlig. Das betrifft nicht nur Wiles’ Beweis (der immerhin über 100 Seiten in einer Fachzeitschrift füllt), sondern fast alle Beweise und sogar die meisten Sätze. Daher bleibt das Buch auch für mathematische Laien lesbar, wenngleich sich Leser mit entsprechender Vorbildung teils mehr Details wünschen mögen. Für letztere gibt es aber ein Literaturverzeichnis, das nicht nur auf weitere populärwissenschaftliche Werke, sondern auch auf mathematische Fachbeiträge verweist.

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