Rezensionen, so ist jedenfalls meine Erfahrung, wollen kurz nach der Lektüre geschrieben werden, oder eben gar nicht. Sonst geht mir die unmittelbare Verbindung zum Buch verloren; fast so, als hätte ich das Werk nicht selbst gelesen, sondern mich nur mit jemandem unterhalten, der es gelesen hat.

Daß ich Bromeliad, die Nomen-Trilogie, gelesen habe, ist nun schon etliche Wochen her. Trotzdem will ich versuchen, zu Papier zu bringen, was mir während der Lektüre durch den Kopf gegangen ist.

Ein Raumschiff landet auf einem fernen Planeten, aber der Besatzung ist der Abflug nicht mehr vergönnt: sie muß sich wohl oder übel auf einen dauerhaften Aufenthalt einstellen. Realiter wäre es wohl ziemlich unwahrscheinlich, unter diesen Umständen zu überleben; fiktiv ist auf diese Weise aber schon manche Zivilisation entstanden. Für mich ist dieses Thema fest mit Bradleys Darkover-Reihe verbunden.

Das tut eigentlich auch gar nichts zur Sache, außer um festzustellen, daß Pratchetts Bromeliad einen ganz ähnlichen Kern hat, nur andersherum: die außerirdischen Nomen sitzen auf der Erde fest und entwickeln sich im Laufe der Jahrtausende von einem Volk der Sternenfahrer zurück auf ein prätechnisches Niveau. Kennt man den Humor des Autors, so ist es nicht weiter verwunderlich, wenn das einzige Artefakt, das die Nome mit ihrer großen Vergangenheit verbindet, ausgerechnet bei einer versprengten Gruppe von Hinterwäldlern landet, die zudem akut vom Aussterben bedroht sind. Die Kommunikation mit der indigenen Bevölkerung (uns) hat auch nicht dauerhaft funktioniert, und die Nomen finden Karikaturen ihrer selbst bald als Gnome in den Vorgärten wieder.

Daß am Ende alles gut ausgeht, hat einiges mit Glück zu tun, aber auch mit dem Mut und Durchhaltevermögen Einzelner. Auf dem Weg dahin kann der Leser sich an Pratchett-typischen Witzen und Wortspielen vergnügen; und ebenso typisch hält der Autor uns den Spiegel vor -- und das gleich zweifach: wir sehen uns durch die Augen der Nomen, die unter den Dielen hervorschauen und darüber diskutieren, ob Menschen Intelligenz besitzen; und dann sind da noch die Nomen selbst in ihrer allzumenschlichen Art. Es mag im Auge des Betrachters liegen, aber ich habe den Eindruck, daß Pratchett die (christliche) Religion und ihre Rituale dabei ganz besonders durch den Kakao zieht.

Wer Pratchett mag und Lust hat, einmal einen Blick über den Scheibenrand zu werfen, dem sei die Trilogie ans Herz gelegt; vielleicht ist sie aber auch ein guter Einstieg für Leser, die ihn noch nicht kennen und mit dem Trubel um die Scheibenwelt wenig anfangen können.

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von kirjoittaessani

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