Einträge mit dem Tag ‘Öl’

Diese Geschichte beginnt -- irgendwie -- in den achtziger Jahren. Damals habe ich als Zehn- oder Zwölfjähriger die Stadtbücherei heimgesucht und Bücher über Orientierungslauf (und Segelfliegen, Segeln und alles mögliche andere) verschlungen. Irgendwie hat mich das Thema fasziniert, aber ich erinnere mich nicht, ob ich wirklich Lust hatte, diesen Sport selbst zu betreiben, oder ob das eher abstraktes Interesse war.

Fünfzehn Jahre später

Im Jahr 1999 habe ich mit dem Laufen angefangen. Zunächst waren das nur ein paar Runden im Park, aber bald kamen die ersten 5 km-Straßenläufe dazu. Die Läufe wurden länger, und spätestens als ich 2004 begann, die Strecken jenseits der Marathondistanz zu erkunden, wurde der Ruf der Landschaft immer lauter: Trainingsläufe von dreißig, vierzig Kilometern machen auf einem Stadtkurs einfach keinen Spaß. Zum Glück war die Gegend um meine damalige Heimatstadt dicht von S-Bahnlinien durchzogen, so daß es kein Problem war, fast jeden Sonntag eine andere Strecke zu laufen, den nächsten Bahnhof anzusteuern und sich einem gemütlichen Frühstück entgegenfahren zu lassen.

OL für Arme

Einen GPS-Empfänger besaß ich damals noch nicht, und so war eine Landkarte vom entfernteren Teil der Strecke mein steter Begleiter.
Überhaupt, Landkarten: diese kleinen Kunstwerke bewundere ich schon lange. Da kam mir diese Gelegenheit, sie praktisch einzusetzen, gerade recht.
Eines Tages begab es sich, daß ich aus dem Wald in einen kleinen Weiler namens Ilbeck und von dort zur nächsten Landstraße lief. Daß ich in dem engen Ort falsch abgebogen und um 180 Grad vom Kurs abgekommen war, bemerkte ich erst ein paar Kilometer später, als die Form der Landstraße so gar nicht zur Karte passen wollte. Ein Kompaß mußte her.
Ungefähr zu dieser Zeit fand auch die Deutschland-Staffel statt, bei der ich zwei Etappen mitgelaufen bin. Wenn man eine Stunde oder so mit unbekannten Läufern unterwegs ist, kommt man schonmal ins Quatschen, und einer der Mitläufer stellte sich als OLer heraus. Das wäre wohl die Gelegenheit gewesen, nach Einstieg, Wettkämpfen und so weiter zu fragen, aus irgendeinem Grunde habe ich das damals versäumt.

Neuzeit

Wiederum fast zehn Jahre später habe ich Job und Bundesland gewechselt, geheiratet, und meine Strecken (etwas) verkürzt. Vor ein paar Wochen schob ich den Kinderwagen an einer Reihe parkender Autos entlang, als mir auf dem Heck eines der Wagen ein Aufkleber auffiel: Orientierungslauf! Jetzt aber, sagte ich mir; zu Hause am Rechner kam erstmal die Ernüchterung: Wettkämpfe sind dünn gesät, viel dünner als Straßenläufe. In Uslar gibt es trotzdem einen, der zeitlich und räumlich erreichbar ist. Meinen Kollegen habe ich schnell als Mitstreiter gewonnen, eine Mail an den Veranstalter ergibt: Zum Einstieg wird die Bahn offen-leicht mit zehn Posten auf 2.5 Kilometern empfohlen, er bietet mir aber an, danach falls gewünscht noch eine andere Bahn zu laufen.
Die nächsten Wochen bin ich so aufgedreht, daß ich im Netz pausenlos nach OL-Seiten suche.

Wegsam

Dann ist der große Tag da: nachdem der Parkplatz gefunden ist, machen wir uns auf den Weg zum Wettkampfzentrum: ein kleiner Tisch auf einem Picknickplatz, an dem man die Startunterlagen abholen kann. Ringsherum herrscht schon geschäftiges Treiben, immerhin starten hier an die 200 Läufer. Trotzdem erinnert die Atmosphäre -- das wird mir besonders nach dem Zieleinlauf auffallen -- eher an einen Familienausflug. Ich nehme meinen Chip in Empfang, ziehe mich um und wandere zum Start, der gut fünfzehnhundert Meter weit weg ist. Oben im Wald finde ich eine Handvoll Läufer, eine Uhr an einem Baum und zu meiner Überraschung eine Kollegin mit der Startliste. Ich überbrücke die Wartezeit, indem ich immer wieder auf den Kompaß blicke, damit ich beim Start die Karte gleich richtig drehen kann.
Nach ein paar Minuten darf ich dann den Startbereich betreten, meinen Chip löschen und mich vor eine der Wäschewannen stellen, in denen mit dem Gesicht nach unten die Karten liegen. Eine lange Minute später schickt mich die Startuhr piep...piep...piep...PIIIP auf die Reise, ich schnappe mir eine Karte und laufe los.

Hinterher

Als ich knapp einundfünfzig Minuten später im Ziel "stempele", bin ich überwältigt von den neuen Eindrücken, der Spannung des Laufes und der schieren Freude, sich in unbekanntem Terrain allein mittels einer Karte zu orientieren und dabei Objekte von der Größe einer Stehlampe zu finden.

Dann stellt sich die Frage: noch einmal antreten oder nach Hause fahren? Es juckt mich sehr in den Beinen, nochmals zu laufen. Die zweieinhalb Kilometer Luftlinie sind gelaufen nicht viel mehr als drei gewesen, und drei Kilometer sind ziemlich wenig. Gut, drei Kilometer durchs Unterholz und über kaum noch zu erkennende Wege sind ein bißchen mehr als drei Kilometer Asphalt, aber immer noch ziemlich kurz.
Letztlich entscheide ich mich aus Zeitgründen für den Heimweg: bis ich das organisatorische geklärt und mich wieder zum Start begeben habe, dürfte die Zeit bis zum Zielschluß für mein Anfängertempo arg knapp geworden sein.

Jetzt sitze ich hier vorm Rechner, schreibe diesen Blogeintrag, und kann die Zeit bis zum nächsten Lauf kaum noch abwarten. Und wenn ich es gar nicht mehr abwarten kann, dann schiebe ich vielleicht noch einen Eintrag zum Lauf selbst hinterher.

1 Kommentar

Dieses Blog ist mit garantiert holzfreiem Papier Material entstanden. An mir kann's also nicht liegen, daß im Moment Holz geschlagen wird, als ob's bald kein Öl mehr gäbe.
Die Waldwege sind jedenfalls schon richtig aufgewühlt, und überall liegen Stämme herum. Ich bin mal gespannt, wie sich das entwickeln wird — immerhin gibt es auch nicht beliebig viel Holz, und nach einem Bericht im örtlichen Käseblatt in der lokalen Gratiszeitung sind die Preise schon deutlich angezogen.

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Selbst wenn die Stromversorgung mit Kernenergie oder alternativen Energiequellen aufrechterhalten werden kann, so wird ein Mangel von Erdöl große negative Auswirkungen auf praktisch alle Bereiche des Lebens für alle haben.
So steht's in der Wikipedia.

Der Durchschnittsbürger (also Autofahrer) ärgert sich über den derzeit kräftig steigenden Ölpreis, weil dadurch sein geliebter fahrbarer Untersatz teurer wird. Die Wirklichkeit sieht aber viel schlimmer aus.

Ölquellen

Sieht man sich die Fördermenge (pro Zeitintervall) einer einzelnen Ölquelle an, so hat diese einen typischen Verlauf: mit Erschließung der Quelle steigt die Menge zunächst von Null immer weiter an, bis dann ein Maximum erreicht wird. Solange die Quelle noch "voll" ist, bleibt die Fördermenge mehr oder weniger konstant. Irgendwann ist die Quelle erschöpft, und ihre Fördermenge fällt wieder ab. Die gesamte Fördermenge der Welt, aber auch eines Staates oder einer Region ist natürlich die Summe Fördermengen der einzelnen Quellen. Sie schwankt deswegen auch. Um diese Schwankungen zu berechnen, muß man den genauen Verlauf der Fördermengen einzelner Quellen kennen — könnte man meinen. Diese Berechnung entspricht aber formal einer Addition von Zufallsvariablen, und der zentrale Grenzwertsatz besagt, daß unter erstaunlich schwachen Annahmen bereits folgt, daß das Ergebnis eine Gauß-Glocke ist.
Demnach wird also die Weltölproduktion zunächst immer schneller ansteigen, um dann irgendwann doch konstant zu werden und schließlich wieder zu fallen — ebenfalls immer schneller. Den Scheitelpunkt dieser Kurve, also den Punkt maximaler Ölproduktion, bezeichnet man als Peak Oil. Der Amerikaner Marion King Hubbert hat die Kurvenform aufgrund empirischer Untersuchungen bestimmt und das Maximum der amerikanischen Ölproduktion vorhergesagt (es lag im Jahre 1971).
Inzwischen ist der Gipfel der Ölproduktion außerhalb von OPEC und ehemaliger Sowjetunion bereits überschritten. Der weltweite Fördergipfel soll — je nachdem, wen man fragt — zwischen 2010 und 2020, vielleicht sogar schon früher liegen.

Der Preis ist heiß

In der Vergangenheit war der Ölpreis annähernd konstant — keine Selbstverständlichkeit, wegen der steigenden Fördermengen hätte er sinken müssen. Daß dies nicht der Fall war, liegt an der ebenfalls permanent steigenden Nachfrage. Selbst, wenn sich die Nachfrage hierzulande stabilisieren sollte — bei einem auf Wachstum ausgelegten Wirtschaftssystem nicht sehr wahrscheinlich — braucht man nur an die enorme Bevölkerungszahl in den Schwellenländern China und Indien zu denken, um eine Vorstellung der Bedarfsentwicklung der nächsten Jahrzehnte zu bekommen. Ist der Fördergipfel einmal überschritten, kann der derzeitige Bedarf nicht mehr gedeckt werden, eine gestiegene Nachfrage ist also erst recht nicht zu befriedigen. In einer Marktwirtschaft steigt dann der Preis, bis die Nachfrage weit genug gesunken ist. Mit anderen Worten: der derzeitige Anstieg des Ölpreises ist letztlich als permanent zu betrachten, auch wenn der Preis kurzfristig (zum Beispiel durch einen milden Winter) noch wieder sinken könnte. Langfristig wird es aber noch kräftig nach oben gehen.

Interessante Zeiten

Dann wird nicht nur das Autofahren teuer: viele Produkte werden heute über weite Strecken transportiert, sie würden sich also stark verteuern. Darüberhinaus ist auch die Landwirtschaft auf Öl angewiesen, da sie zum einen stark technisiert ist, zum anderen Öl einen wichtigen Rohstoff für Kunstdünger darstellt. Wenn diese Produkte sich verteuern oder durch verstärkten Personaleinsatz ersetzt werden müssen, dann werden natürlich auch die Preise für Lebensmittel anziehen; dadurch werden wir letztlich auf andere, bislang selbstverständliche Güter verzichten müssen.

Eines ist klar: die Vorstellung von glücklichen Bauern, die in Handarbeit glückliche Kühe melken, glückliche Felder bestellen und abends lustig im Kreise der Großfamilie Geschichten erzählen, ist zwar im Sinne von zurück zur Natur ganz romantisch; die Wirklichkeit wird aber doch eher unromantisch sein.

Hoffentlich können wir uns dann noch das Bloggen leisten, sonst müssen wir auf Zines umsteigen.

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