Vor gut drei Jahren habe ich Patrick Rothfuss’ Debüt The Name of the Wind gelesen. Das Buch hat mich damals wirklich begeistert, es hat auch direkt fünf Sterne bei Lovelybooks bekommen, und natürlich mußte eine Rezension geschrieben werden. Ich machte ein paar Stichworte — die Welt, die Rothfuss erschaffen hat, ist sehr anders als die übliche Fantasy, dabei sehr überzeugend, ich habe aber nicht herausgefunden, warum. Ja, und dabei ist es dann geblieben.

Inzwischen hat nicht nur das Warten auf den zweiten Teil, The Wise Man’s Fear, ein Ende, ich habe das Buch auch schon gelesen und versuche mich nochmal an einer Rezension.

Die Geschichte spielt — wie das im Genre so üblich ist — in einer Art Pseudo-Mittelalter, und sie handelt von einem Mann namens Kvothe. Der Klappentext charakterisiert ihn so:

I have stolen princesses back from sleeping barrow kings. I burned down the town of Trebon. I have spent the night with Felurian and left with both my sanity and my life. I was expelled from the University at a younger age than most people are allowed in. I tread paths by moonlight that others fear to speak of during day. I have talked to Gods, loved women, and written songs that make the minstrels weep. My name is Kvothe. You may have heard of me.

Kvothe ist eines Tages verschwunden, und niemand weiß, was aus ihm geworden ist: er nennt sich jetzt Kote und betreibt in irgendeinem gottverlassenen Kuhkaff ein Wirtshaus. Dort hat er bisher ein ruhiges Leben verbracht, doch zu Beginn des ersten Bandes passieren einige sehr beunruhigende Dinge, die einen Mann des Dorfes das Leben kosten — und Kote weiß offenbar mehr darüber. Gleichzeitig taucht ein Schreiber namens Chronicler auf. Er erkennt Kvothe und überredet ihn, seine Geschichte zu erzählen. Der Rest der beiden Bücher besteht im wesentlichen aus dieser Geschichte.

Sehr gut hat mir gefallen, daß Rothfuss auf die typischen High-Fantasy-Zutaten (Orks, Elben, Zwerge) verzichtet. Das heißt natürlich nicht, daß er alles neu erfindet; man findet zum Beispiel die Fae, den alten Glauben, daß die Kenntnis von Namen Macht verleiht, oder auch die antimagischen Eigenschaften von Eisen[1]. Dabei präsentiert der Autor seine Welt durch und durch glaubwürdig. Als Beispiel mag an dieser Stelle die Magie herhalten. Sie ist zwar Standardzutat in der Fantasy[2], aber immer ein zweischneidiges Schwert: zum einen kann sie beim Leser ein Staunen auslösen; andererseits bringt sie aber den Autoren in Erklärungsnot: warum kann der Held Situation X mit magischer Hilfe meistern, nicht aber das Ziel einer Quest mit einem Fingerschnippen erreichen? Könnte er das, wäre manch ein Buch nur halb so dick…

Bei Rothfuss sprechen nur Laien von Magie. Die Eingeweihten (Arcanists) unterscheiden da zwischen den Fachrichtungen: es gibt Alchemie, Naming[3], Sympathy und Sygaldry

Sympathy zum Beispiel bedeutet, daß der Arcanist zwischen zwei Dingen eine Verbindung schafft, und zwar letztlich durch seine feste Überzeugung (Alar), daß diese Verbindung existiert. Dann kann man z.B. den einen Gegenstand hochheben oder erwärmen, worauf der zweite, verbundene Gegenstand ebenfalls emporschwebt (oder warm wird), ohne daß von außen eine Ursache erkennbar wäre. So weit, so magisch. Das heißt aber nicht, daß man einfach einen Kiesel mit einem Felsen verbinden und diesen dann hochheben könnte — der Energieerhaltungssatz gilt auch hier, und der Kiesel fühlt sich, sobald er verbunden ist, so schwer an wie der Fels. Doch damit nicht genug: je ähnlicher sich zwei Dinge sind, desto besser die Verbindung. Zwei gleiche Münzen oder ein Feuer mit einer Handvoll seiner Asche gehen besser als etwa zwei Äste von unterschiedlichen Bäumen, und diese wieder besser als zwei völlig verschiedene Dinge (eine Münze mit einem Ast). Je schlechter aber eine Verbindung ist, desto schwieriger, sie zu nutzen: wenn ich also mit dem Ast einer Münze hochheben will, so wird sich dieser wesentlich schwerer anfühlen, als das Gewicht von Ast und Münze allein es erklären können. Die überschüssige Energie (Slippage) geht dann unkontrolliert in die Umgebung[4]. Das erinnert an die Beschränkungen thermodynamischer Maschinen.

Natürlich dreht sich Kvothes Leben nicht nur um Magie, aber hier sieht man noch am leichtesten, warum die Geschichte so glaubwürdig wirkt. Die anderen Aspekte sind nicht weniger überzeugend dargestellt — seien es die als Diebe und Vagabunden verschrieenen, aber auch als Musiker und Schauspieler geachteten Edema Ruh[5], das von meditierenden Schwertkämpfern bevölkerte Ademre[6], oder aber die durch den Austausch gravierter Ringe zum Ausdruck gebrachte Hierarchie am Hofe des Maer Aldaron.

Manches, was im ersten Band noch ein Rätsel war, wird in Wise Man’s Fear zumindest etwas klarer, und ich bin schon versucht, The Name of the Wind nochmals zu lesen; anderes — wie die Scrael — taucht in Kvothes Erzählung gar nicht auf[7] und bleibt dunkel. Nicht nur deshalb, sondern auch, weil dies die besten Fantasybücher sind, die ich seit langem gelesen habe, freue ich mich bereits auf den dritten Band.

  1. Darüber bin ich schon in mehreren Romanen gestolpert, ohne daß ich eine Quelle finden konnte. Weiß jemand mehr?
  2. und Science Fiction, auch wenn sie dann Star Drive oder Replikator heißt…
  3. Da haben wir die Macht der Namen in neuem Gewand.
  4. Oder auch in den Körper des Arkanisten, was unangenehm bis tödlich sein kann.
  5. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.
  6. Das auch, wenngleich die blonden Haare neu sind.
  7. sondern nur in der knappen Rahmenhandlung um das Wirtshaus
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von kirjoittaessani


For years I had been haunted by the fear that the Junior Ganymede club book, with all the dynamite it contained, would get into the wrong hands, and the hands it had got into couldn’t have been more the sort of hands you would have wished it hadn’t.

Wodehouse[1], of course. Pure bliss!

  1. Much obliged, Jeeves
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von kirjoittaessani


(ohne Worte)

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von kirjoittaessani


Die liebe Eule hat eine Schatzkiste gefunden und fragt nach Kinderbucherinnerungen.
Hmm, Kinderbücher… Gar nicht so einfach, ich glaube, eine Menge habe ich schon wieder vergessen. Aber mal sehen: aus Vorlesezeiten hätten wir da zum Beispiel die Schatzinsel und Dahls Danny oder die Fasanenjagd, etwas weiter hinten auf der Beliebtheitsskala (aber immer noch schön) gab es James und der Riesenpfirsich (auch von Dahl) und Robinson Crusoe. Oh, und gerade wieder eingefallen: Das Rote U — ein Buch, das in meiner Heimatstadt spielt, so daß man die Schauplätze schön verfolgen kann.
Unter den ersten Selbstgelesenen fällt mir Wipp und Murkel ein, eine Geschichte von zwei Mäusen — in Schreibschrift gedruckt :-)
Später habe ich dann Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt in der Stadtbücherei entdeckt (übrigens von Boy Lornsen, den wir ja schon aus dem Video kennen). Außerdem natürlich das Gebubbel-Buch (kennt das wirklich keiner?), irgendwann dann Die drei Fragezeichen, und noch etwas später habe ich angefangen, regalmeterweise Mark Brandis zu verschlingen.

Tja, spätestens an dem Punkt ist dann wohl der Übergang vom Kinder- zum Jugendbuch erreicht, und deshalb beende ich den Beitrag jetzt auch.

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von kirjoittaessani


Das Jahr neigt sich schon wieder dem Ende zu, und das heißt, daß es wieder einen Adventskalender gibt, Juhu! Die ersten beiden Türchen[1] waren schon sehr lecker, und ich bin gespannt, was da noch so kommt.

Habe ich eigentlich schon einmal gesagt, wie toll ich so einen Kalender finde? Egal, das kann man gar nicht oft genug sagen.

  1. Im oberen Fach das große gestreifte ganz vorne, und das kleine daneben, das sich so vorwitzig vor das silberne schiebt.
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von kirjoittaessani


Derzeit sitze ich zu Hause auf dem Sofa — nach dem zweiten Fahrradunfall innerhalb von gut einem Monat. Hmpf.

Zum Trost habe ich noch ein Panorama gebastelt aus Novemberbildern: einen Blick vom Geismarer Holze in Richtung Süden auf Diemarden, Reinhausen und die Berge rund um den Bocksbühl.

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von kirjoittaessani


Heute ist the day. Anders kann ich es gar nicht ausdrücken: Seit dem Nachmittag läuft die Heizung — nach fast einer Woche mit morgens fünfzehn Grad in der Küche ist das ein Traum. Und: Heute zum ersten Mal sei Jahrzehnten wieder an einem Gasherd gestanden. Das ist so toll: kaum dreht man den Hahn auf, ist der Topf heiß; und noch besser: kaum dreht man ihn zu, ist der Topf kalt.

Ja, und zum Abschluß gab es dann noch Einhandkuchen.

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von kirjoittaessani


Nanu, mag sich der geneigte Leser denken, wo sind denn da die Eulen? Aber es sind ja gar keine Bilder von Eulen, sondern für die Eule. Weil man Versprechen ja auch halten muß. Und überhaupt. Ja, und weil ihr auch etwas davon haben sollt, hab ich sie einfach mal hierhin gepackt.

 

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von kirjoittaessani


And I did this by my Lord’s command, who, I thank him, did of himself think of doing it to do me a kindness, for he writ a letter himself to him, thanking him for his kindness to me.

Na, dann ist ja alles klar …

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von kirjoittaessani


Eh man sich’s versieht, ist ein ganzer Monat ohne Eintrag vergangen — jetzt bin ich aber wieder da. In der Zwischenzeit habe ich Markus Heitz’ Zwerge hinter mich gebracht.

Der Klappentext legt die Latte hoch, indem er den Vergleich zu Tolkien zieht. In der Tat erinnert das Geborgene Land stark an Mittelerde, mit all seinen Zwergen und Elben, Menschen und Orks, und natürlich den Zauberern. Nun wird dem Herrn der Ringe oft vorgeworfen, Schwarzweißmalerei zu betreiben: hier die Guten (Elben und blonde Menschen), dort die Bösen (Orks, dunkelhäutige Menschen, und alles, was häßlich ist). In der Beziehung läßt sich auch Herr Heitz nicht lumpen: die Widersacher sind abstoßend, krank und (meistens) dumm.

Djerun erlegte eine ausgezehrte Hirschkuh, deren Fleisch sie nach kurzem Rösten über dem Feuer hungrig verschlangen. Den schimmeligen Beigeschmack versuchten sie zu ignorieren.

Leider ist da auch schon fast Schluß mit den Parallelen: Tolkiens Werk stützt sich auf eine umfangreiche Mythologie, Historie und mehrere ausgearbeitete Sprachen. Die Zwerge wirken dagegen einfach nur oberflächlich. Ein paar diakritische Zeichen, die man über die Namen der Charaktere streut, sollen wohl für den fremdländischen Touch sorgen, wirken aber eher hilflos, zumal sich Zwergennamen von solchen der Elben oder Menschen eh wenig unterscheiden. Die Landkarte ist kaum mehr als eine lieblos hingeworfene Skizze, die weder hilft, die Handlung einzuordnen, noch Neugier auf unbekannte Länder weckt. Und überhaupt, die Landschaft: Braunes Gebirge, Blaues Gebirge, Rotes Gebirge, Schwarzes Gebirge — geht es noch unrealistischer? So funktionieren vielleicht Straßennamen im Neubaugebiet, aber echte, gewachsene Namen sind nicht so systematisch.

Das alles wäre ja nicht weiter schlimm; es gibt genügend gute Bücher ohne Mythologie, ohne eigene Sprachen, und ohne realistische Welten. Ja, wenn nur die Handlung nicht so simpel gestrickt wäre. Diese ist nämlich etwa ab Seite zweihundert (von sechshundert!) komplett vorhersehbar. Ab dort ist die Zahl der Guten genügend geschrumpft, daß klar ist, wer was tun muß; und das (sehr alte) Motiv der Quest — also Hinreise, Erledigung einer vorbestimmten Aufgabe, Rückreise — läßt auch nicht viel Raum für Überraschungen. Und die Frau bekommt er natürlich auch.

Objekt dieser eher langweiligen Quest ist ein ziemlich unglaubwürdiges Artefakt — einfach möglichst viele möglichst teure Materialien zusammenzuwerfen, mag zum Protzen gut sein, aber Zauberei geht anders.

Rotes und grünes Blut spritzte, Gliedmaßen und Zähne flogen durch die Luft, und zu dem brachialen Kampflärm mischte sich das Heulen der wartenden Horden, deren Gier wuchs und wuchs.

Eine kleine Beschwerde zum Schluß muß ich noch anbringen: das Buch ist ganz schön blutig. Zugegeben, ein Krieg ist nun einmal blutig, aber ist es wirklich nötig, bei jedem Kampf genau anzugeben, welche Organe durchtrennt werden und wie der sterbende Gegner aussieht? Die oben zitierte Passage ist noch vergleichsweise zurückhaltend.

Wirklich beeinflussen kann diese Kritik die Gesamtbewertung aber auch nicht mehr, denn zwei von fünf Sternen müssen den Zwergen ohnehin genügen. Wer einen Lückenfüller für zwischendurch sucht, mag getrost zu diesem Werk greifen. Lesern, die sich tiefere Charaktere oder eine abwechslungsreichere Handlung wünschen, ist mit Autoren wie Robin Hobb oder Patrick Rothfuss besser gedient.

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von kirjoittaessani