Ja, da war ich wohl ein wenig voreilig, das Verständnis des Buildsystems anzunehmen. Das stellte sich heraus, als ich den erfolgreich kompilierten gcc unter einem Debugger[1] betreiben wollte. Wer schon einmal versucht hat, ein Kompilat mit eingeschalteter Optimierung zu debuggen, weiß, was ich meine: Variablen lassen sich nicht mehr auslesen, das Programm scheint im Code wirr vor und zurück zu springen -- selbst ein sehr einfaches, selbst geschriebenes Programm ist kaum noch nachvollziehbar. Nicht so schlimm, dachte ich mir, und habe mit CFLAGS='-g -O0' configure gleich den nächsten Build angestoßen. Die Ernüchterung folgte allerdings auf dem Fuße:[2] die Flags waren irgendwo unterwegs verlorengegangen, und das Resultat kein bißchen brauchbarer als beim ersten Versuch.

Dabei bin ich eigentlich froh und dankbar, daß der gcc als Buildsystem die GNU Autotools verwendet. Sie werden zwar manchmal als veraltet und zu kompliziert abgetan, aber ich komme mit ihnen immer noch weit besser klar als mit CMake, Python Distutils und allem anderen, das ich bislang gesehen habe. Die Probleme beim gcc rühren allein daher, daß es mit dem bloßen Kompilieren nicht getan ist; stattdessen wird der dabei erzeugte Compiler dazu verwendet, aus dem Sourcecode noch einen Compiler (Stage2) zu erzeugen, und dieser wiederum erzeugt dann das fertige Kompilat (Stage3).[3] Of will man in verschiedenen Stadien verschiedene Optionen verwenden, und deshalb gibt es auch einen ganzen Zoo von Umgebungsvariablen, deren Zweck nicht immer ohne weiteres klar ist.

Ach so, die Lösung: nach dem Konfigurieren einfach make BOOT_CFLAGS='-g -O0' bootstrap eingeben, und schon klappt es.

  1. Für den Fall, daß noch nicht alle des Programmierens nicht mächtigen Leser aufgegeben haben, sei gesagt: Ein Debugger ist ein Programm, mit dem man den Ablauf und den Zustand eines anderen -- möglicherweise fehlerhaften -- Programmen schrittweise verfolgen kann.
  2. Jedenfalls halbwegs -- so ein Notebook ist nicht gerade die schnellste aller Entwicklungsmaschinen
  3. Dieser Bootstrap genannte Zauber dient dazu, den fertigen Compiler mit sich selbst zu kompilieren, was ein guter Test für seine Zuverlässigkeit ist.
1:54 Kein Kommentar

von kirjoittaessani

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