Archive vom Januar, 2011

Den größten Teil eines Jahres ist es schon her, daß ich den ersten Band von Otherland beendet habe. Man mag aus der Länge der Zeit ersehen, daß ich auch den zweiten Band, River of Blue Fire, nicht hochspannend finde.

Zunächst möchte ich ein paar knappe Worte zur Handlung verlieren -- ohne Spoiler, wie ich meine. Nachdem sich unsere Abenteurer gegen Ende des ersten Bandes endlich gefunden haben, begeben sie sich auf die Suche: eine ganz klassische Quest, wenn auch mit noch etwas unklar formuliertem Ziel. Nachdem die ersten Kapitel sich erfrischend handlungsreich präsentieren, erlahmt die Spannung dann doch wieder etwas. Eine Zeitlang beschlich mich die düstere Ahnung, daß der Autor die Möglichkeiten seines Sujets zugunsten einer simplen Episodengeschichte mit möglichst exotischen Schauplätzen verspielt. Etwa ab der Hälfte des Buches legte sich dieses Gefühl aber, und man bekommt den Eindruck, daß alle fortgeführten Handlungsstränge die Erzählung tatsächlich voranbringen.

Wie ich bereits zum ersten Band sagte, bin ich Romanen mit Längen durchaus nicht abgeneigt, solange diese Längen im Rahmen der Erzählung einen Sinn haben. Und wie beim ersten Band finde ich auch beim zweiten Teil von Otherland, daß nicht alle Längen diesen Sinn bieten. Ansonsten bleibt anzumerken, daß der Autor mit River of Blue Fire sicherlich eine schwierigere Aufgabe zu bewältigen hatte als beim Vorgänger. Konnte sich der Leser dort noch vom Unbekannten faszinieren lassen, so sind hier alle Handlungsstränge und Personen soweit bekannt, daß man sie in den Kontext der Geschichte einordnen kann. Das einzige große Rätsel, dessen Lösung man entgegenfiebern kann, ist der Gegenstand der Quest.

Eingedenk dessen (und der Tatsache, daß Williams das Ende diesmal besser gelungen ist), gebe ich dem Werk vier von fünf Sternen. Damit verbinde ich auch die Hoffnung, daß der qualitative Aufwärtstrend anhält und der dritte Band wirklich gut wird.

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Hotelzimmer haben etwas...besonderes. Nicht unbedingt besonders gut, einfach nur anders. Hotelig eben. In einem solchen sitze ich gerade, und eigentlich sollte ich schon seit mindestens einer Stunde im Bett liegen, aber irgendwie mag ich nicht.

Nach dreieinhalbstündiger Zugfahrt haben wir noch die ziemlich leere Innenstadt durchstreift, bevor wir dann im Kap Tormentoso hängengeblieben sind. Empfehlenswert, nur der Türschließer war etwas langsam...

Morgen um sieben ist die Nacht vorbei, und dann wollen wir lernen, wie man Grafikkarten zum Rechnen benutzt. Eigentlich freue ich mich auf die Veranstaltung, aber ein bißchen einsam ist es hier schon. Die Plüscheule auf dem Nachttisch hilft da nur bedingt.

So, nun ist es aber definitiv spät genug. Gute Nacht da draußen!

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In den letzten Tagen habe ich ein paar der Haken und Ösen entfernt und bei der Gelegenheit auch gleich eine deutsche Sprachdatei für WordPress installiert. In Zukunft sollte es hier also etwas häuslicher zugehen.

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Diesen Zufallsfund möchte ich Euch nicht vorenthalten: Ihr kennt Google Maps und Google Earth, vielleicht auch Google Moon und Google Mars. Aber kennt Ihr auch Google Middle-Earth? Offenbar hat ein Onlinespiel-Entwickler die API für Google Maps lizensiert und dann Karten von Mittelerde eingebaut. Na, wer's mag...

[via ClickZ]

[Edit: broken links]

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Der Winter im allgemeinen und die Urlaubszeit zum Jahreswechsel im besonderen ist eine gute Zeit zum Lesen. Vor ein paar Tagen bin ich mit Amberville fertiggeworden, dem Erstlingswerk eines schwedischen Autoren, der unter dem Pseudonym Tim Davys schreibt.

Amberville ist ein Viertel in einer Stadt, die von Stofftieren bewohnt wird. Vieles ist dort ganz ähnlich wie bei uns Menschen, aber manches ist auch anders. Zum Beispiel bekommen Paare, die sich Nachwuchs wünschen, diesen von den Deliverymen ins Haus gebracht -- direkt aus der Stofftierfabrik. Dafür gibt es eine Liste, die Cub List, die im Umweltministerium geführt wird.

Genausowenig, wie Stofftiere geboren werden, sterben sie. Wenn sie alt sind, werden sie eines Nachts von den gefürchteten Chauffeurs abgeholt, und was dann mit ihnen geschieht, weiß niemand. Gerüchte besagen, daß es analog zur Cub List eine Death List gibt, die die Chauffeurs abarbeiten. Wer diese Liste erstellt, und ob sie überhaupt existiert, ist ungewiss.

Wenn aber ein Gangsterboss (eine Taube) nicht nur von der Existenz der Liste überzeugt ist, sondern auch davon, daß sein Name daraufsteht, und wenn er dann mit zweien seiner Gorillas (wirklich Gorillas) bei Eric Bear auftaucht und ihn erpreßt, um wieder von der Todesliste zu verschwinden; dann hat Eric ein Problem. Daß er sich ausgerechnet ein paar Typen aus seiner halbseidenen Vergangenheit sucht, um die unmögliche Aufgabe zu erledigen, ist auch nicht unbedingt hilfreich.

Zwischen den siebenundzwanzig numerierten Kapiteln, die die Geschichte der Gruppe um Eric Bear erzählen, finden sich etliche Extrakapitel. Aus diesen lernt der Leser im Laufe des Buches einige Geheimnisse kennen, die für die Auflösung des Rätsels nicht unwichtig sind.

Die Atmosphäre von Amberville ist durchweg recht düster, was im Zusammenhang mit den Stofftieren ungewohnt sein mag, aber gut zu dem Thema “Todesliste” paßt. Eine Kleinigkeit hat mich dann doch gestört, deretwegen ich auch nur vier von fünf Sternen vergeben mag: am Ende habe ich mich gefragt: Und? Was sagt uns das jetzt? Die Auflösung ist durchaus befriedigend, aber mir fehlen die Konsequenzen daraus -- wenn der Damm bricht, erwarte ich eben eine Flutwelle und nicht nur einen leichten Regenschauer.

Trotzdem: Davys' Debüt ist durchweg spannend geschrieben, das Thema ist interessant, und die Charakterisierung der Stofftiere hat mir sehr gefallen -- auf jeden Fall ein lesenswertes Buch.

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Wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe, kann ich Robin Hobbs Bücher, einmal angefangen, kaum weglegen. Die gut achthundert Seiten von Forest Mage, dem zweiten Band der Soldier Son-Trilogie, habe ich im Urlaub (genauer gesagt: in Bahn und Flugzeug) verschlungen.

Ich gehe davon aus, daß die Handlung des ersten Teils (Shaman's Crossing) bekannt ist. Spoiler gibt es hier zwar keine, Erklärungen zum Hintergrund aber auch nicht. Wer mag, kann ja in die alte Rezension schauen.

Hobbs Umgang mit ihren Charakteren erinnert mich immer ein bißchen an ein Kind mit einem Stock vor dem Ameisenbau: sie piesackt sie pausenlos, um zu sehen, wie sie reagieren. Dabei ist sie so gnadenlos, daß mich das etwas kitschige Ende von Fool's Fate gar nicht gestört hat -- ich habe den Protagonisten einfach gegönnt, Glück im Leben zu finden.

I set my teeth and forced my lips into a rubbery smile, and when I wiped a tear from my eye, I told myself that everyone who observed it would think it was a tear of joy at my brother's good fortune.

Nevare ist da keine Ausnahme: nachdem das Schicksal schon im ersten Band einige Prüfungen für ihn bereitgehalten hatte, geht es in Forest Mage erst richtig los. Mehr und mehr offenbart sich in unserem Helden eine innere Zerrissenheit, die für den Leser ganz konkret wird durch zwei Welten, die ihn mit allen Mitteln für sich gewinnen wollen.

I shook my head. 'I can be true to both. You will see.' It sounded so simple, there in the moonlit night.

Nevare selbst mag sich aber nicht so recht entscheiden -- eigentlich hätte er am liebsten seine Kindheit zurück, als das Leben noch einfach und geradlinig war. Damit macht er es sich natürlich nicht einfacher, sondern läßt die Mächte, deren Spielball er ist, nur noch stärker an ihm zerren. Letztlich trifft er gar keine Entscheidung, sondern zaudert, bis sie für ihn getroffen wird. Obwohl recht schnell klar wird, wie diese Entscheidung ausfallen wird, bleibt das Buch bis zum letzten Kapitel spannend.

Dann bleibt mir nur noch zu sagen, daß ich mich schon sehr auf den dritten Band freue, obwohl Forest Mage nicht mit einem Cliffhanger, sondern an ein einem sehr natürlichen Punkt endet.

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