Einträge mit dem Tag ‘Physik’

Unter meinen Büchern befindet sich so manches, das seit längerem darauf wartet, gelesen zu werden. Es gibt auch ein oder zwei, die ich angefangen habe, ohne so recht voran zu kommen.
Aber unter denen, die ich erst gar nicht anrühren mochte, war auch Brian Greenes Fabric of the Cosmos -- zur Abwechslung mal ein Sachbuch. Inzwischen bin ich durch und muß sagen: es gab überhaupt keinen Grund, mit der Lektüre so lange zu zögern.

Greene setzt sich in seinem Buch mit der Frage auseinander, was denn Raum und Zeit eigentlich sind -- sind sie dinglich, ein Etwas; oder lediglich ein mathematisches Abstraktum, um die Beziehung von Dingen (mögen es subatomare Teilchen oder ganze Galaxien sein) untereinander auszudrücken? Dabei geht es in erster Linie durchaus nicht um eine philospohische Abhandlung, sondern um ganz konkrete Physik. Diese darzustellen, gelingt dem Autor hervorragend: sie ist für den Laien verständlich dargestellt, ohne in Banalitäten abzugleiten; und auch der Physiker kann noch neues hinzulernen.

Angefangen mit dem Raum- und Zeitbegriff der klassischen Mechanik über die relativistische Raumzeit bis hin zu String- und M-Theorie klopft Greene die Physik auf ihre Herangehensweise an das Gewebe des Kosmos ab. Dabei mußte ich feststellen, daß zum Beispiel die Frage nach dem Zeitpfeil[1] deutlich komplexer ist, als ich bisher angenommen hatte. Der banale Hinweis auf den zweiten Hauptsatz reicht jedenfalls als Antwort nicht aus.

Ganz nebenbei entwickelt er damit auch eine Geschichte der Physik -- ähnlich wie Singh das für die Mathematik getan hat. Und diese Geschichte ist wiederum hervorragend geeignet, einen Überblick über das Fach zu erhalten.

[1] Die Frage lautet: Was unterscheidet morgen von gestern? Fast alle physikalischen Gesetze unterscheiden nicht zwischen Zukunft und Vergangenheit, die beschriebenen Vorgänge können genausogut vorwärts wie rückwärts ablaufen. Dennoch können wir bei makroskopischen Ereignissen leicht zwischen vorwärts und rückwärts unterscheiden -- Gläser zerbrechen, aber Scherben setzen sich nicht von selbst wieder zu Gläsern zusammen; wir erinnern uns an die Vergangenheit, aber nicht an die Zukunft.

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Eines kleinen Nachtrags zu Leben im Ballon kann ich mich nicht enthalten: Die Corioliskraft ist
2 v X w
Sie verschwindet also für (im rotierenden Bezugssystem) ruhende Objekte. Niemand muß Bücher schief stapeln, um sie vor dem Umkippen zu bewahren.

Der kleine Schnitzer ist Schroeders Roman aber nicht abträglich.

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Auf Telepolis ist ein Interview mit John Petersen abgedruckt wiedergegeben. Das Original ist in What is Enlightenment erschienen.
Petersen äußert sich dazu, wie er sich die Energieversorgung nach dem Ende der Rohölförderung vorstellt.
Das ganze ist zwar gruselig übersetzt — ein Futurist beschäftigt sich mit Futurismus, Petersen ist wohl eher Futurologe — aber ganz interessant zu lesen. In der Zukunft, die in dem Interview beschrieben wird, wird Energie aus Äthylalkohol erzeugt, der durch Gärung aus Pflanzen entsteht. Da diese nachwachsen und dabei Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden, wären zwei wesentliche Probleme, die die Verwendung von fossilen Energieträgern mit sich bringt, gelöst.

Der letzte Teil wirkt allerdings eher komisch: Da ist von Nullpunktenergie die Rede, aber man hat das Gefühl, daß Petersen nicht wirklich weiß, was es damit auf sich hat. Dann geht es um die kalte Fusion, mit der der zweite Hautsatz der Thermodynamik ausgehebelt werden soll. Die Ausführungen hören dazu sich für mich verdächtig nach Freier Energie an — außerdem habe ich das Gefühl, daß Petersen auch den zweiten Hauptsatz nicht wirklich kennt, denn das, was er da beschreibt, scheint sich auf den ersten Hauptsatz zu beziehen.

Leider steuert Telepolis nur einen kurzen Absatz zu dem Interview bei, der diese seltsamen Aussagen wiederholt und bei der Gelegenheit auch noch von latenter Energie spricht — das ist für meinen Geschmack sprachlich zu nah an latenter Wärme, hat aber ansonsten nichts damit zu tun. Das gleiche Problem hat man auch mit dem Begriff der Freien Energie, wie ihn Pseudowissenschaftler verwenden; denn auch die freie Energie gibt es in der Thermodynamik, allerdings mit gänzlich anderen Eigenschaften.
Ich hätte es nett gefunden, wenn Telepolis sich mit den Aussagen Petersens kritisch auseinandergesetzt hätte. Auch wenn das nicht der Fall ist, haben doch zumindest einige der Kommentarschreiber im Artikelforum ihren Spaß.

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