Archive vom Januar, 2013

... und warum es keinen interessiert

Der persönliche Computer

Als alles begann, füllten Computer ganze Räume und brauchten Heerscharen an Bedienpersonal. Durch Fortschritte in der Elektronik wurden sie aber zunehmend kleiner, leistungsfähiger und einfacher zu bedienen. Nannte man die ersten Modelle in der Größe einer Waschmaschine noch Mini-Computer, so brach in den siebziger Jahren das Zeitalter der Mikrocomputer an, die Geräte hatten nur noch die Größe einer Schreibmaschine und waren -- oft als Bausätze -- für Hobbyisten erschwinglich. Eine Professionalisierung brachte schließlich einen Rechner, der klein und preiswert genug war, daß er (zunächst in Firmen) von nur einer einzelnen Person genutzt werden konnte: der Personal Computer war geboren.

Die Universalmaschine

Ein Vierteljahrhundert lang ist der PC nun preiswerter, (etwas) kleiner und (viel) schneller geworden. Gleichzeitig hat sich mehr oder weniger im Verborgenen eine andere Entwicklung vollzogen, die den Charakter des PCs aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet: dank fallender Preise und fortschreitender Miniaturisierung finden sich in mehr und mehr Geräten embedded Systeme, eine Art Kleinstcomputer, der anstelle aufwendiger analoger Verschaltungen (oder gar mechanischer Steuerungen) Stereoanlagen und Waschmaschinen Leben einhaucht. Wer schon einmal versucht hat, gegen seine Waschmaschine Schach (oder Go) zu spielen, hat gemerkt, daß der PC nicht nur ein persönliches Gerät ist, sondern auch ein sehr universelles: ein computerisiertes Haushaltsgerät bleibt seinem Zweck treu, aber ein PC kann mit entsprechender Software ganz beliebige Aufgaben übernehmen.

Clever & Smart

In den letzten Jahren hat eine weitere Spielart des Computers für Furore gesorgt: nachdem die klobigen Autotelefone des letzten Jahrhunderts unter anderem durch Embedded-Technik zu kompakten Winzlingen kleiner als ein Telefonhörer geschrumpft sind, ist mittlerweile das Zwitterwesen Smartphone aufgetaucht: halb Telefon, halb PC.

Wolken am Horizont

Doch wer nun einen tragbaren PC mit Telefonfunktionalität erwartete, der wurde unter Umständen enttäuscht: wer ein iPhone erwirbt, hält keine uneingeschränkte Universalmaschine in Händen, sondern ist auf das Placet des Herstellers angewiesen, wenn er Software (und sei es selbstgeschriebene) installieren möchte. Vereinzelt geäußerte Befürchtungen, den PCs desselben Herstellers könnte über kurz oder lang ein ähnliches Schicksal drohen, wurden allgemein mit Hinweis auf die andere Natur des PCs (als Universalmaschine nämlich) abgetan.

Nun hat die Firma Apple etwas getan, das sich in meinen Augen wie der Anfang einer sehr schlechten Entwicklung ausnimmt: es gibt für das Betriebssystem keine Installationsanweisungen-CDs mehr. Windows-Benutzer könnten diese Aussage unter Umständen mißverstehen: ich meine damit nicht, daß man sich nach dem Kauf eines vorinstallierten Rechners eine Recovery-CD selbst brennen (oder für viel Geld eine Vollversion in der Pappschachtel kaufen) müßte. Nein, ich kann meinen Rechner -- egal ob vorinstalliert oder mit einem nachgekauften System -- nur über das Internet installieren. Das Installationsprogramm löscht sich nach getaner Arbeit. Selbst, wenn ich fünf Rechner installieren will (was ich ganz legal mit nur einer Lizenz tun kann), muß ich fünfmal einen Installer von über vier Gigabyte herunterladen.

Und nun?

Für mich ist das eine Katastrophe: wenn ich meinen eigenen Rechner nur dann neu installieren kann, wenn es dem Hersteller paßt, dann muß ich befürchten, bald noch mehr Kontrolle abgeben zu müssen. Der Wert der Universalmaschine PC wäre dahin, ich hätte nur noch einen besseren Fernseher auf dem Schreibtisch. Für mich ist das Grund genug, nach zwanzig Jahren[1] Markentreue zum ersten Mal ernsthaft über einen Wechsel nachzudenken. Seltsamerweise scheint die Angelegenheit sonst niemanden zu stören. Ein wenig Googeln hat zwar ein paar Leute zutage gefördert, die sich über die Bandbreitenverschwendung beim Besitz mehrerer Rechner ärgern, aber den Kontrollverlust bemerkt (oder zumindest bemängelt) niemand.

Thou shalt not pass

Damit die Geschichte hier nicht zu einseitig wird, möchte ich noch auf einen potentiell viel gefährlicheren Schachzug aus dem anderen Lager hinweisen: wer als Hardware-Hersteller künftig Windows-zertifizierte Systeme anbieten will, muß einen Mechanismus einbauen, der nur noch kryptographisch signierte Betriebssysteme bootet. Diese Signatur stellt nur Microsoft aus -- in sehr naher Zukunft kann man also zum Beispiel Linux nur noch benutzen, wenn Microsoft das gestattet.
Na, gruselt es schon?

Was tun

Im Gegensatz zu Apples lustigen Ideen gibt es hier genug kritische Stimmen im Netz. Das dürfte natürlich daran liegen, daß eben nicht Microsofts eigene Kunden, sondern gerade die anderen gefährdet sind. Außerdem ist die Bastelfreiheit(freedom to tinker) gerade unter diesen Anderen (z.B. Linux-Entwicklern) ein sehr hoch gehaltenes Gut.

Im Umkehrschluß sieht es ganz danach aus, daß es Apples Kunden egal ist, was sie mit ihren Maschinen machen können. Sie brauchen vielleicht gar keinen PC, sondern nur eine Schreibmaschine mit Bildverarbeitung und Musik-Player. Naja, und wenn Cupertino sowieso schon die Finger dein hat, macht es auch nichts, daß die Synchronisation von PC und Smartphone weniger und weniger über ein USB-Kabel und dafür mehr und mehr über einen Server bei Apple läuft. Darüber regt sich nämlich auch keiner auf. Ihr Schafe!

  1. angefangen mit dem LC II
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