Archive vom Mai, 2009

Gestern habe ich zum zweiten Mal meinen Scrobbler -- also die Anbindung an last.fm -- deaktiviert. Das kam so: meine Daten sind mir lieb und teuer; und wann ich welche Musik höre, ist eigentlich ziemlich privat. Trotzdem finde ich last.fm eine witzige Idee. Die tolle Community (wie etwa bei LovelyBooks) habe ich dort nicht gefunden, aber die Statistikfunktionen sind schon ganz nett.

Nun ja, ich war schon hin- und hergerissen, als ich mich dort angemeldet habe. Letztlich hat die Neugier gesiegt, und meine Playlisten fanden sich fortan online. Ich bin natürlich davon ausgegangen, daß Außenstehende nur auf genau die Daten Zugriff haben, die auf der Seite finden; alles andere hat der Anbieter für sich zu behalten oder zu löschen.

Dann tauchte bei Slashdot das Gerücht auf, daß last.fm Benutzerdaten -- das heiligste, was ein Web-2.0-Dienst hat -- an die RIAA weitergegeben habe. Das wurde (natürlich, möchte man hinzufügen) von last.fm dementiert. Ich war jedenfalls einigermaßen geschockt und habe meinen Scrobbler für ein paar Tage deaktiviert.

Irgendwann hat sich meine ganz persönliche Aufregung aber gelegt, und ich habe last.fm either wieder benutzt -- jedenfalls bis gestern. Dann kam erneut eine Meldung über Slashdot herein und verwies auf einen Artikel bei TechCrunch: demnach ist das Dementi damals dem Buchstaben nach wahr gewesen, weil die Daten über nicht direkt, sondern über Umwege an die RIAA geflossen seien.

Das war für mich dann Anlaß, den Scrobbler ein weiteres Mal zu deaktivieren. Danach habe ich aber ein bißchen tiefer gebohrt als sonst -- und bin auf einige Ungereimtheiten gestoßen. Zum Beispiel gibt es -- anders als bei TechCrunch zu lesen -- sehr wohl ein klares Dementi ohne Weasel Words, nämlich beim Wall Street Journal. Bei TechCrunch selbst scheint auch nicht alles eitel Sonnenschein zu sein; jedenfalls deuten einige der Kommentare darauf hin, daß die Betreiber beim Moderieren recht eifrig sind; bei der Diskussion im Last.fm-Forum kommen sie dann auch nicht besonders gut weg.

Die ganze Sache sieht irgendwie ganz schön schmutzig aus. Was auch immer hier die Wahrheit sein mag, ich weiß auch nicht, was ich tun soll: einerseits liegen meine Daten ziemlich offen auf dem Server -- auch wenn sie nie an Dritte weitergegeben worden sind; andererseits bietet last.fm ganz nette features, und der Dienst paßt schon sehr zum Web 2.0.

Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen.

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Weil der Sommer schon im Mai ausgebrochen ist, haben wir am gerade vergangenen langen Wochenende einen kleinen Ausflug gemacht. An Zielen mangelt es hier ja nicht, immerhin haben wir 5 Bundesländer in einem Umkreis von 40 km oder so. Diesmal war Burg Hanstein an der thüringisch-Hessischen Grenze dran. Bei der Hitze haben wir uns dann mit ein paar Bildern und einer Kurzwanderung durch den Wald begnügt. Hinterher gab es dann ein paar Erfrischungen in einem 500jährigen Gasthof. Ich mußte irgendwie an das Prancing Pony denken, aber anderen Menschen mag der Gedanke fern liegen.

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Splendidly discursive sei David Crystals By Hook or By Crook, so wird der Independent auf dem Umschlag zitiert; und das trifft den Kern ziemlich gut: der Autor fährt im Auftrag der BBC durch England (und Wales), um über die verschiedenen regionalen Dialekte zu berichten. Der Leser erfährt darüber hinaus alles, was ihm bei der Fahrt einfällt -- manchmal sind es die Herkunft von Orts- oder Kneipennamen; aber oft genug spinnt er eine Assoziationskette, die irgendwo enden kann: bei einer Fernsehserie oder auf einem anderen Kontinent zum Beispiel.
Diesen Erzählstil muß man natürlich mögen, wenn einen die Lektüre nicht in den Wahnsinn treiben soll. Andererseits kann man das Buch durchaus längere Zeit beiseite legen, denn einen Faden, den zu verlieren man fürchten müßte, gibt es ja nicht.
Mir hat das Buch ganz gut gefallen, aber irgendwann fing es doch an, sich etwas zu ziehen -- zweihundert Seiten hätten es in meinen Augen auch getan. Das mag allerdings anders aussehen, wenn man einige Zeit in England verbracht und eine Beziehung zu den Orten hat, die Crystal in seiner Journey in Search of English besucht.

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Mit iTunes kann man Musik hören. Ob das Programm nun gut oder schlecht ist, darüber kann man sicher streiten; ich finde es jedenfalls ganz praktisch.

Weil heute alles irgendwie vernetzt sein muß, erlaubt auch iTunes es, auf die Musiksammlungen anderer Rechner zuzugreifen. Dummerweise kann man Titel nur hören, aber nicht herunterladen -- technisch ist das ziemlicher Quark, aber da haben wohl die Rechteinhaber gedrängelt. Und noch etwas geht nicht: wenn andere Leute auf meine Bibliothek zugreifen, kann ich zwar sehen, wie viele; aber nicht, wer.

Ein kurzer Besuch bei der Suchmaschine meines Vertrauens[1] läßt mich jedoch wissen: wo die Applikation sich sperrt, hilft das Betriebssystem weiter. Bei Juretta finde ich einen netten Aufruf des Tools lsof, der meine Neugier befriedigt:

lsof -r 2 -n -P -F n -c iTunes -a -i TCP@`hostname`:3689

Leider bin ich noch nicht zum Testen gekommen, und der Eintrag von Stefan ist immerhin fast vier Jahre alt. Außerdem geht das so natürlich nur auf dem Mac, weil Windows lsof nicht kennt. Wer mag, kann sich ja eines der Windows-Tools daraufhin ansehen. Ein mögliches Problem: unter Unix ist fast alles eine Datei, auch Netzwerkverbindungen. Unter Windows mag das anders aussehen.

[1] Aus Prinzip ist das nicht Google -- die haben mir ein bißchen zu viel Marktmacht.

[Edit: Artikel vergessen]

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Heute habe ich den ganzen Vormittag damit zugebracht, nach einem Konfigurationsfehler zu suchen: ich wollte einige Benutzer aus einem Server aussperren. Dazu habe ich Pluggable Authentication Modules (kurz: pam) verwendet. Mit pam kann man tolle Sachen machen, zum Beispiel den Login nur von bestimmten Rechnern aus zulassen, oder nur zu bestimmten Uhrzeiten, oder nach einem Haufen sonstiger Kriterien gehen. Das, was ich wollte, ist viel einfacher: ein Benutzer darf rein, alle anderen müssen draußen bleiben.

Nur: es klappte nicht. Egal, wie ich an der Konfiguration gedreht habe, das System hat immer alle reingelassen. Nach der Mittagspause bin ich dann über diesen Satz in der Dokumentation von rlogin gestolpert:

The login process is an instance of the login(1) program, invoked with the -f option if authentication has succeeded.  If automatic authentication fails, the user is prompted to log in as if on a standard terminal line.

Im Klartext: zuerst werden die ausgefuchstesten Bedingungen überprüft; wenn die sagen: komm rein, dann bist du drin. Wenn die aber sagen: du nicht, dann darfst du dein Paßwort eingeben und bis trotzdem drin. Na toll.

Wer denkt sich denn soetwas aus?

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