In der Astronomie ist alles unglaublich groß und unglaublich weit weg: unsere Sonne hat zum Beispiel einen Durchmesser, der hundertmal größer als der der Erde ist. Gleichzeitig ist sie so weit weg, daß es sieben Minuten dauert, bis ihr Licht bei uns eintrifft (und das sie nicht größer erscheint als der Vollmond).

Schaut man sich das weitere Weltall an, so stellt man aber schnell fest, daß es wesentlich größere Objekte gibt. Die in meinen Augen erstaunlichsten sind die Quasare: Auf den ersten Blick sieht man sie lediglich als Lichtpunkte. Damit gleichen sie den Sternen, denn auch sie erscheinen aufgrund ihrer großen Entfernung nur als Punkte, während Galaxien als kleine Scheiben oder Spiralen zu sehen sind. Sieht man genauer hin, stellt man allerdings fest, daß Quasare sehr viel weiter entfernt sind als normale Sterne. Daraus folgt natürlich auch, daß sie sehr viel heller sein müssen. In der Tat gibt es Quasare, die 1000000000000 mal so hell sind wie unsere Sonne -- oder 100 mal so hell wie eine ganze Galaxie.

Vor kurzem hat Janine Fohlmeister von der Uni Heidelberg mit drei weiteren Autoren eine Arbeit veröffentlicht, die sich mit Gravitationslinsen befaßt: Nicht nur Materie, sondern auch Licht wird beim Passieren (großer) Massen abgelenkt. Durch diesen Effekt erscheinen Objekte mitunter nicht an der Stelle am Himmel, an der sie "wirklich" stehen, sondern etwas verschoben -- sozusagen eine Art kosmischer Fata Morgana. In dem Paper berichten die Autoren von einem Quasar, der gleich in mehrfacher Ausfertigung zu sehen ist. Sie werten die vier hellsten davon aus und stellen fest, daß die Bilder auch noch zeitlich verschoben sind: das Licht ist auf den verschiedenen Wegen auch unterschiedlich lange unterwegs. Dabei handelt es sich durchaus um längere Zeitspannen: das erste  Bild ist dem letzten mindestens sechs Jahre voraus.

Eine interessante Anwendung dieses Phänomens ist eine Art Frühwarn-Effekt: sieht man auf dem einen Bild etwas Interessantes, kann man sich die Sache einige Jahre später auf einem anderen Bild sehr viel genauer ansehen, weil man ja vorher weiß, wo etwas passiert.

[via nature]


21:05 2 Kommentare

von kirjoittaessani

2 Responses to “Astronomische Zahlen”

  1. Andi Says:

    Zählt das dann schon als Zeitmaschine? Oder Zeitkopiermaschine? D.h. eine Maschine ist es ja nicht.
    Hachje, ganz schön kompliziert (aber verdammt interessant :D).

  2. kirjoittaessani Says:

    So eine Art kosmischer Festplattenrekorder, um die Quasarwerbung zu überspringen 😉

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